„Also isch Bibers Michel der Holderstock?“
Thrinele haucht ein „Ja!“ vor sich hin und hebt die Hände bittend empor.
Ätti erhebt sich, und angstvoll sieht Thrinele auf den Vater, der vom Aktengestell einen Pack Schriften herabnimmt, auf den Tisch legt und auf einen frischen Bogen zu schreiben beginnt: „Es ist usprobyrt am heutigen Tage und erledigt die Appellation an den höchsten Richter der Lebendigen und Toten durch sothanes Gottesgericht, allwo heute stattgefunden am toten Bühl zu Füßen des Kreuzes und geendet zu Recht und Gunsten des Großherzogs von Baden! Es erfließet daraus der
Beschluß:
Ich, Peter Gottstein, Wirt zum „dürren Ast“, anerkenne für mich und meine Kinder die Herrschaft des Großherzogs über mich und Familie, und werde mit Heutigem badisch. Als „Halunke“ genehmige ich — die Zustimmung des anderen Teiles vorausgesetzt — die Neigung meiner Tochter zu Bibers Michel mit daraus entgehenden Folgen i. e. eventuell Heirat, wozu die braungefleckte Kuh zu verkaufen ist, die bei Hottinger im Pfand steht für zu Salpetererzwecken gegebene Darlehen. Der Hottinger kriegt, was maßen ich mich von der „Sach'“ wende, nichts — die Kuh wird einfach geholt. Auch wird durch heutigen Beschluß jegliches Prozessieren gegen badische Behörden eingestellt, wobei der Erwartung Ausdruck gegeben wird. Es werde auch badischerseits unnütze Drängelei hinfüro unterlassen. Der Großherzog hat meinen Sohn Jakob von der Militär freizugeben, wofür ich zwei Weihkerzen geopfert habe.
Gegeben im Wirtshaus zum „dürren Ast“ am heiligen Abend vor
Weihnachten
Peter Gottstein,
verflossener Streitpeter und badischer Unterthan.“
Peter setzt einen mordsgroßen Punkt am Schlusse hin und reicht das mühsam gekritzelte Schriftstück der Tochter, die den „Beschluß“ überfliegt und überglücklich dem Vater aus tiefstem Herzensgrunde dankt. Nur wegen des Jobbeli meint Thrinele, es werde Schwierigkeiten haben, den Bruder vom Großherzog freizubekommen, denn der Herrscher werde von Jobbeli wenig oder gar nichts wissen.
„So? Meinsch?! Dann werd' ich's ihm sage! Ich goh nach Karlsruh' un wer minem Großherzog selber rede! So thue ich by Gott, ich der Peter Gottstein als badischer Unterthan!“