In seiner Behausung des weitläufigen Klosters angekommen, gebietet Abt
Alphons dem Aufwärter, sogleich den Konventualen und Großkeller zu
zitieren. Bald steht P. Jakob, der greise Chef der gesamten
Klosterhaushaltung, vor dem bedeutend jüngeren Prälaten in schuldiger
Ehrfurcht und nach dem Begehr des Vorgesetzten fragend.

„Erstatt' Er mir, mein Bruder, Bericht über die Mission unseres P. Gotthard, auf daß ich weitere Maßregeln anordnen kann. Doch setz' Er sich, mein Bruder! Seine Füße sind älter und müder!“

Mit einem Streifblick auf die Reitkleidung des Abtes meint P. Jakob:
„Ew. Gnaden werden auch müde sein von anstrengendem Ritt?“

„Das Reiten thut mir wohl, und selbst ein scharfes Jagen ist mir nicht unwillkommen. Doch muß selbes von Erfolg begleitet sein. Leider ist mir heute trotz scharfen Rittes ein Prädikant entkommen, entwischt durch die Dummheit eines Pelagiers. Doch zur Sache! Was ist's mit Gotthard?“

Mit heiser Stimme, mild und besonnen referiert der Großkeller: „Was lange befürchtet ward, ist zur Thatsache geworden, die Leute unseres Gebietes, allen voran der Vogt Georg Adrian von Ehlenbogen, neigen der Wittenberger Lehre zu und haben sich geweigert, ihre Kinder katholisch taufen zu lassen. Sie wollen zum Herzog halten und württembergisch werden! Gotthard ist unterrichteter Dinge zurückgekehrt.“

„Wie, was?! Also Rebellion gegen uns?“

„Das möchte ich doch nicht behaupten. Auch zeigte sich nirgends etwa körperlicher Widerstand oder Auflehnung. Des schweren Haders, des überlangen Krieges im Lande überdrüssig, sehnen sich die Leute nach Ruhe und Frieden, den doch wohl der Herzog, sofern er in sein Gebiet völlig eingesetzt ist, mehr gewährleisten dürfte, als die fremden Herren mit ihren wilden Landsknechten.“

„Ist Er bei Sinnen, mein Bruder? Ein Konventuale von Alpirsbach redet dem Klosterfeind, dem Württemberger, das Wort?“

„Nicht doch! Ich bin nur der unmaßgeblichen Meinung, daß der Herzog den
Württembergern wie selbst uns im Schwarzwald näher steht, als Tilly und
Wallenstein!“

„Eberhard ist aber unserer Kirche Feind, ein Lutheraner!“