„Was sagst du? Der Abt selbst hätte sie gerufen?“
„Ja, so sagte er! Sie sollen das Kloster vor dem Württemberger schützen, und wir Unterthanen sollen das fremde Kriegsvolk freundlich aufnehmen und beherbergen.“
„Das ist ja himmelschreiend! Seine Gnaden selbst — ich kann's nicht glauben! Ich muß den Abt selber fragen!“ Und bestürzt eilt der alte Konventuale hinauf zu den Gemächern des Prälaten.
Euseb verläßt die in vollem Aufruhr befindliche Abtei und sucht trotz nächtlicher Finsternis das Grab seines Weibes auf, um an denselben ein Gebet für die Tote zu verrichten.
Wie fassungslos kommt Pater Jakob herunter und steuert in die Küche, um dem Personal den Befehl des Abtes zu überbringen, daß alles zur Bewirtung der Franzosen bereit gehalten werden solle. Das Unglaubliche ist zur That geworden: Alphons selbst hat nach Breisach geschrieben und das fremde Kriegsvolk gerufen!
Trommelwirbel tönt durch die finstere Nacht, die Musketiere rücken ein, begafft von den Klosterunterthanen. Kommandorufe werben laut, eine Abteilung marschiert dröhnenden Schrittes auf die Abtei zu und stellt sich auf. Rasselnd fahren die Gewehrkolben nieder und schlagen auf dem harten Boden auf. Kopf an Kopf gedrängt beschauen die Klosterbrüder das ungewohnte militärische Schauspiel. Der Platz vor der Abtei füllt sich immer mehr mit Musketieren, die bei Fackelbeleuchtung einschwenken und Posto fassen. Ein Offizier tritt in die Klosterpforte und verlangt den Abt zu sprechen. Mit offenem Munde guckt der Pförtner den Franzosen an.
„Sacre bleu, avant!“
Der Pförtner steht wie versteinert. Doch da kommt Abt Alphons bereits in eigener Person zum Empfang und lädt den Offizier zum Eintritt ein.
Ein Schwall gallischer Worte fliegt dem Abt entgegen: der Kommandeur erstattet wohl eine militärische Meldung, deutet mit dem Degen auf seine Soldaten und schwätzt weiter.
Unwillkürlich suchen des Abtes Finger einen Ruhepunkt hinter den Ohren. Eine üble Situation. Der Abt muß schleunigst französisch lernen, sonst wird ein Verkehr unmöglich sein. Einstweilen muß die Zeichensprache aushelfen; der Abt lädt durch eine Armbewegung zum Eintritt ein.