Der Kommandeur überreicht einen Brief, verbeugt sich und giebt, zur Truppe gewendet, Befehl zum Einrücken. Die Offiziere treten heran, schreiten unter Führung des Abtes ins Refektorium, und hinterdrein folgt ein Teil der Musketiere, indes der Rest auf dem Platz verbleibt.

Ratlos sieht Abt Alphons die Invasion des klösterlichen Refektoriums: die Mannschaft greift aus den Schüsseln jegliches Erreichbare, labt sich durch flüchtigen Trunk aus den Kannen und Krügen und tritt dann auf Befehl wieder ab. Gleich darauf marschiert die andere Abteilung im Refektorium auf, lärmend, schwätzend, drängend. Der Kommandeur fordert frisches Auftragen von Lebensmitteln; die Klosterherren stehen stumm wie die Mauern.

Ein neuer Befehl — und ein Dutzend Mann springen fort, suchen die Küche und schleppen aus ihr herauf, was sie erwischen können. Vergeblich zetert der Koch und seine Gehilfen, sie werden rücksichtslos zur Seite gestoßen. Lachend bringen die Soldaten die requirierten Viktualien herauf, und rasch ist die Verteilung vorgenommen. Sodann werden dem Abt die leeren Kannen vorgewiesen und durch Umkehren der Krüge der Wunsch nach frischer Füllung deutlich zum Ausdruck gebracht.

Auf einen Wink des Abtes verschwindet Pater Jakob und einige Brüder, aber gleichzeitig auch die Requisiteure der Kompagnie, die vergnüglich den Gang in den Keller mitmachen und sogleich kleinere Fässer „fassen“ und auf den Platz vor der Abtei bringen, wo die Truppe mit schallendem Halloh das Naß begrüßen. Die Musketen werden in Pyramiden zusammengestellt, Becher und Krüge aus dem Kloster geschleppt, die Fässer angebrochen, und nun wird gezecht bei qualmendem Fackelschein. Bald verkünden kreischende Weiberstimmen, daß die Franzosen neben Wein und Lied auch noch Weiber zu lieben pflegen.

Im Refektorium ist's stiller geworden, und verweilen nur noch die drei Offiziere und der Abt mit einigen Konventualen. Auf einen Wink des Prälaten wird die Tafel rasch frisch gedeckt, worauf Alphons auf gut deutsch die Herren einlädt, am Abendmahl teilzunehmen. Wie gut doch die Franzosen jetzt deutsch verstehen! Sie erweisen der Klosterküche alle Ehre und sprechen dem Weine tapfer zu. Nur die jetzt unter französischem „Schutz“ stehenden Mönche lassen alles unberührt, ihnen, wie dem Abt selbst, ist jeglicher Appetit vergangen. Beklommen flüstert P. Gotthard dem Prälaten zu, wie das denn für die Nacht, wo denn die Menge Soldaten untergebracht werden solle.

Unter einer höflichen Verbeugung gegen den Abt sagt zu aller Überraschung der Kommandeur im holperigem Deutsch: „Kloster für alles sorgen muß!“

Dazu ist trotz der schweren Last der Abt gern bereit, im Frohgefühle, daß der Offizier doch etwas Deutsch versteht, und giebt Alphons sofort Befehl, die Offiziere und Sergenten in der Abtei selbst, einen Teil der Musketiere in den Lagerräumen, den Rest der Soldaten jedoch in den Häusern der Hörigen und sonstigen Unterthanen unterzubringen. Sofort erheben sich die Offiziere, um die Durchführung dieser Anordnung persönlich zu überwachen.

Die Mönche können das Tischgebet ja alleine verrichten. Indes es draußen wie im Kloster lärmend hergeht, liest Abt Alphons das ihm übergebene Schreiben von Baron l'Oisonville. Wenn auch nicht alle Ausdrücke und Redewendungen ihm verständlich sind, den Inhalt erfaßt der Abt doch sofort, und erblassend starrt er auf das inhaltschwere Schreiben, in welchem der französische General kurz und bündig mitteilt, daß das Gesuch um Schutz bewilligt werde durch Entsendung von einhundert Mann nebst drei Offizieren gegen monatliche Zahlung einer Entschädigung von dreißig Gulden rheinischer Währung und Verpflegung der gesamten Musketiere auf die Dauer von vier Jahren und Verpflichtung zum Schadenersatz an Menschenleben, Wehr und Waffen im Falle jeglicher kriegerischer Aktion, so solche aus einem Angriff von Schweden oder Württembergern auf klösterlichem Grund und Boden erfließen sollte.

Abt Alphons faßt sich an die Stirne, und bebend flüstert er: „Großer Gott! was habe ich gethan!“ — — Tief erschüttert sucht er seine Gemächer auf; er muß allein sein jetzt, allein mit sich selber.

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