Martina kam nicht herauf. Sie besuchte die Forstwartsfrau. Wie Ambros die überspannte Amanda Gnugesser um diesen Besuch beneidete!
Der Uhr nach war es Zeit, den Dienstgang anzutreten. Hartlieb schloß die Fenster, machte sich marschfertig, und – blieb in der Kanzlei. Wartete und horchte auf das seltsame Klingen im Herzen.
Frau Amanda begrüßte die hübsche Hofdame strahlenden Auges und mit einer gewissen stolzen Feierlichkeit. Sie hatte brieflich um Audienz gebeten in der Absicht, die Fürstin gewissermaßen scharfzumachen, als Vorspann zu benützen und wegen der heillos unangenehmen Kanzelrede gegen den Pfarrer auszuspielen. Der Eitelkeit schmeichelte es nicht wenig, daß die Fürstin eigens die Hofdame schickt, um den erhofften, sehnlichst gewünschten Bescheid zu bringen, der nach Amandas Auffassung nur die Gewährung der Audienz sein konnte. Frau Amanda stutzte, als Martina von Gussitsch es dankend ablehnte, Platz zu nehmen und höflich mitteilte, daß auf Wunsch der Fürstin künftighin Zuschriften nicht an sie selbst, sondern an das Marschallamt oder an die Hofdame vom Dienst gerichtet werden sollen.
Der Glanz in Amandas Augen erlosch, der Blick ward hart, die Lippen bleich. Und eine tiefe Falte zeigte sich auf der Stirne. Schwer enttäuscht sprach Frau Gnugesser: „Um mir das zu sagen, haben sich gnädiges Fräulein selbst herbemüht?“
„Eine willkommene Bewegung in frischer Waldluft vor dem Lunch! Mündlich Bescheid zu geben, ist mir lieber als das Schreiben von Briefen! Allerdings überbringe ich einen Bescheid, der Ihren Wünschen nicht entsprechen wird!“
Amanda rief erbittert schrillen Tones: „Meine Bitte um Audienz ist abgelehnt? Der Empfang verweigert? In einer so wichtigen Angelegenheit? Nicht zu glauben! Erst volles Interesse, jetzt Ablehnung! Ein erstaunlicher Wankelmut! Da wird wohl die Predigt eine Rolle gespielt haben!“
„Bitte, beruhigen Sie sich! Ich bin über die Gründe, die Durchlaucht zur Ablehnung Ihrer Bitte veranlaßt haben, nicht informiert, kann also keine Auskunft geben! Die Fürstin wünscht, daß die Agitation eingestellt werde!“
Heftig und gereizt wies Amanda darauf hin, daß die Agitation reine Privatsache sei und man demnach die Fürstin weder um ihre Meinung zu fragen noch um Erlaubnis zu bitten habe.
Kühl und höflich erwiderte Fräulein von Gussitsch: „Die Wünsche der Fürstin werden von jenen Frauen respektiert werden müssen, deren Ehemänner im fürstlichen Dienst stehen!“
„Soll das eine Drohung sein?“