Wenn Hartlieb die Weiberwirtschaft verfluchte, so galt die Verdammung genau genommen nur der Mißwirtschaft auf der Seite der launenhaften und in ihren Entschlüssen unberechenbaren Gebieterin. Keineswegs der Hofdame, die ja nichts zu sagen, nichts anzuordnen hat.
Dachte Ambros an das ihm sympathische Fräulein von Gussitsch, so hüpfte das Herzelein vor Wonne. Und dem einsamen ernsten Beamten war zumute, als müßte er himmelhoch jauchzen. Wie zierlich, nett, hübsch das Hoffräulein doch ist! Wie ein Edelmarder geschmeidig und elegant! Ob Mustela in diesem Leben Frau Hartlieb werden könnte?
Können und wollen ist zweierlei!
So hoffte Ambros Hartlieb und wartete; erlitt alle Qualen trostloser Verliebtheit...
Über seine triste Lage hätte er gerne mit dem Grafen Thurn gesprochen, sich dem alten liebenswürdigen Hausmarschall anvertraut. Aber der Graf hatte infolge der miserablen Witterung das Reißen bekommen und sich mit längerem Urlaub zum Gebrauch der berühmten heißen Quellen nach Römerbad in der südlichen Steiermark geflüchtet.
Am Mittag eines naßkalten Herbsttages war es. Hartlieb hatte sich von Frau Amanda Gnugesser eine Fleischkonserve warm machen lassen, deren Inhalt er in der Kanzlei verspeiste. Der Gang zum Wirt in Hall war erspart. Eine Zigarre am Fenster schmauchend, hielt Ambros stehend kurze Siesta und blickte auf das zum Jagdschlößl führende Sträßlein im nebelerfüllten Halltale.
Plötzlich zuckte Hartlieb zusammen. Jähe Röte schoß ihm in die Wangen, ein Zittern lief durch den Körper, das Blut hämmerte und klopfte.
Das Sträßlein kam Mustela-Martina herangestapft. In neckisch-praktischem Lodenkleid, fußfrei der kurze Rock, so daß die Stiefelchen sichtbar waren. Schneidig auf dem hübschen Köpfchen thronend das grüne Ausseer Hütel. Die geschmeidige Mustelagestalt freilich neidisch verhüllt von einem wasserdichten Regenmäntelchen. Ohne Regenschirm. Der zaghaft fallenden Schnürltropfen lachend, so daß die Marderzähnchen blinkten. Offenbar mußte das bildhübsche Hoffräulein sehr vergnügt sein.
„Ob Mustela zu mir in die Kanzlei kommt?“ fragte sich flüsternd Ambros. Und des Zigarrenqualmes wegen, zur Lüftung der Kanzlei, riß er die Fenster auf. Und grüßte respektvollst.
Und das Hoffräulein dankte mit einem allerliebsten Kopfnicken und munterem Lächeln. Und steuerte trippelnd dem Forsthause zu.