Hochgeschmeichelt meinte die Köchin mit wonnekündendem Lächeln: „Därweil no net!“

Der Lohn für die kecke Schmeichelei bestand darin, daß Eichkitz ein großes Stück Paprikaspeck bekam. Und als der enttäuschte Schelm jammerte, daß der Paprika viel Durst erzeuge, gab ihm Restituta auch noch Geld zur Durstlöschung. Und dazu den Rat, zu jener Stunde in die Küche zu kommen, wenn für das Hauspersonal das Essen verabreicht werde. Wo für so viele Leute Speise und Trank vorhanden sei, könne ein armer, frommer Jäger auch mitessen.

Und so erreichte der Frechdachs sein Ziel doch. Aber schon nach etlichen Tagen juckte ihn der Übermut, er verulkte die heilige Restituta so drollig und witzig, daß die Hausangestellten vor Vergnügen brüllten, die entrüstete Köchin aber den Spötter mit dem Besen fortjagte.

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Oberförster Hartlieb war sich darüber völlig klargeworden, daß er unter den so gründlich und ungünstig veränderten Dienstesverhältnissen nicht auf die Dauer in seiner Stellung bleiben könne. Mannesehre, Stolz und Berufsliebe zwingen dazu, den Posten aufzugeben, sich um eine andere Stellung zu bewerben, anderswo unter einem Jagdherrn und Sachverständigen zu dienen. Der Weiberwirtschaft im Jagdbetriebe war Ambros Hartlieb bis zum Ekel überdrüssig geworden. Von einem richtigen normalen Jagdbetrieb konnte überhaupt nicht mehr gesprochen werden. Überflüssig war der Jagdleiter, er wurde nicht gerufen, erhielt auch keine Befehle. Kam er in die Reviere, traf er den einen oder anderen Jagdgehilfen im Dienst, so war ziemlich deutlich eine gewisse passive Resistenz zu beobachten. Nicht offene Weigerung, die Befehle Hartliebs zu befolgen, nur verhaltener Widerstand, Verzögerung. Lauernde Blicke, spöttisches Lächeln, widerliche, mit Hohn gemischte Unterwürfigkeit; Mienen, die zu künden schienen: Jagdleiter bist du nicht, hast nichts mehr zu befehlen, kannst mir auf den Buckel steigen!

Keine Abschußerlaubnis. Keine Einladung mehr. Diese Ignorierung tat Ambros allerdings nicht wehe, im Gegenteil, der Forstmann und Jäger freute sich, daß ihn die Gebieterin in dieser Beziehung vergessen zu haben schien. Für den Hofdienst schwärmte Hartlieb nicht, hatte von der ersten Stunde an nichts Gutes erhofft. Aber doch nicht geglaubt, daß alles so schlimm für den Waldoberbeamten und Jagdleiter unter der Damenherrschaft kommen würde. Unerträglich und empörend war die Lage für den ernsten, einsamen Ambros geworden. Entwürdigend! Dirigent ist der Jagdgehilfe Eichkitz, Frechdachs und Schmeichler in einer Person. Ein falscher Tropf, aber ein fescher Bursch. Verlogen, faul, Egoist, eine Null als Jäger und als Mensch.

In einsamen Stunden fragte sich Hartlieb oft, warum er sich nicht aufraffen kann, den Dienst aufzukündigen und den früheren Jagdpächter Grafen Lichtenberg brieflich zu fragen, ob er eine Stellung für ihn habe.

Etliche Gründe hatte Ambros für seine Unentschlossenheit, für das Hinausschieben des entscheidenden Schrittes.

Die Hirschbrunft wird demnächst beginnen. Will die Gebieterin Brunfthirsche schießen, so muß sie sich ja doch an ihren Jagdleiter wenden. Unmöglich kann die Hirschbrunft ganz ignoriert bleiben; sie ist doch die Hohe Zeit, das Herrlichste im Jagdbetriebe und für den Jagdherrn!