Martinas zarte Wangen färbten sich. Der Verlegenheit wurde das Hoffräulein rasch Herr. „Also schwänzt der Oberbeamte den Dienst! Ein leuchtendes Beispiel für die Untergebenen! Apropos: mit wem wollen Sie ein ganz klein bisserl plaudern?“
Jetzt war die Reihe zum Rotwerden an Hartlieb. Und in hilfloser Verlegenheit stammelte er das Geständnis, daß Fräulein von Gussitsch ihn besonders dann lebhaft an die Geschmeidigkeit und Zierlichkeit des graziösen Edelmarders, der lateinisch „Mustela martes“ heiße, erinnere, wenn das Fräulein ein hochgelbes Halsband trage.
Die Bäcklein Martinas flammten glutrot. „Ei der Tausend! Soll ich mich durch diesen Vergleich geschmeichelt oder beleidigt fühlen? Der Marder ist doch ein Raubtier, nicht?“
„Allerdings! Scheu, listig, beherzt, der denkbar kühnste Räuber, aber schön von Gestalt, vornehm besonders der Edelmarder in jungen Jahren mit dem hochgelben Hals! Ein schneidiges Kerlchen!“
Martina kicherte im langsamen Weiterschreiten: „Außerordentlich dankbar bin ich für diesen schmeichelhaften Vergleich! Entzückend nett, daß der Herr Oberförster das harmlose Hoffräulein mit dem ‚denkbar kühnsten Räuber‘ vergleicht! Können Sie mir vielleicht sagen, was ich bereits – geraubt habe?“
So locker zwei Worte auf Hartliebs Zunge saßen, so leicht die Antwort wäre, er wagte nicht, sie zu geben. Die Blutwelle in Martinas Wangen kündete, daß Fräulein von Gussitsch die zwei ungesprochenen Worte erraten hatte. Und nun zappelte Martina mit beschleunigten Schritten heim.
Um doch etwas noch zu sagen, stammelte Ambros: „Die Schneid Mustelas ist so groß, daß der schöne Edelmarder Tiere angreift, die ihm an Kraft und Körpergröße weit überlegen sind!“
„So? Greift ‚Mustela‘ auch – Menschen an?“
„In seltenen Ausnahmefällen auch Forstbeamte!“
„Huhu! Höchst gefährlich! Sehen Sie sich vor, Herr Oberförster, daß Ihnen ‚Mustela‘ nicht mal plötzlich ins Gesicht springt und die Äugelein auskratzt!“