Hartlieb lachte vergnügt: „Soll nur springen!“

„Lieber nicht! Addio!“ lispelte Martina und flatterte hastig wie ein aufgescheuchtes Vögelchen dem nahen Schlößl zu. Wie ein Lohgerber den fortschwimmenden Fellen, guckte Ambros dem Hoffräulein betrübt nach. Dann kehrte er um und wanderte in den Wald auf der entgegengesetzten Seite...

Im Speisesaale des Schlößls stand Norbert vor der Suppenterrine am Büfett und wartete auf das Erscheinen der Fürstin. Martina hatte in aller Eile Dinerkleider angelegt, kam genau auf die Sekunde in den Speisesaal und guckte verwundert.

Norbert flüsterte ihr zu: „Kann eine Weile dauern, Durchlaucht lesen einen soeben aus Berlin eingelaufenen Brief!“

Stehend wartete Martina auf das Erscheinen der Fürstin.

Fürstin Sophie las den Brief ihres Sohnes.

„Liebste Mama! Über Berlin zu schreiben, werde ick mir hüten; diese großartige Weltstadt möge ein Schriftsteller von Gottes Gnaden und Beruf schildern. Nach so kurzer Zeit ein Urteil über eine total fremde und imponierende Millionenstadt abzugeben, wäre dumm und frech. Eines spüre ich schon beim Kaffee jeglichen Morgen: Wien ist Wien, und Berlin ist janz anders! In allem und jedem! Abstoßend und anziehend wie – Tiroler Rotwein besserer Sorte... An Damen habe ich hier vielerlei Exemplare kennengelernt. Adelige und nichtadelige. Hübsche und alte. Was meinst Du zu einer bürgerlichen Gattin?...“

Als Fürstin Sophie den Brief zu Ende gelesen hatte, lag ein schwaches Lächeln auf den Lippen.

Einen Blick warf sie auf die Uhr. Dann eilte die Fürstin in den Speisesaal, wo sie sich wegen der Verspätung bei Fräulein von Gussitsch entschuldigte.

Wortlos verbeugte sich Martina.