Fräulein von Gussitsch küßte der Fürstin die Hand und geleitete die Gebieterin bis in den Korridor.
Da saß nun Martina in der düsteren, ärmlich und streng dienstlich ausgestatteten Forstkanzlei vor dem Oberförster Hartlieb, beide stumm. So freundlich, ja freudig die Begrüßung war, ein gedämpftes Aufjauchzen sehnsüchtiger Seelen, die fröhliche Situation wurde durch zwei Worte verändert: „Zu spät!“
Mit munterer Wichtigkeit hatte Fräulein von Gussitsch berichtet, daß künftig Prinz Emil sozusagen „Jagdherr“ sein werde, der Oberleiter, und Hartlieb seine rechte Hand und oberster Berater, der sich wohl bald in einen Vertrauensmann und Freund verwandeln werde. Daß Martina der Fürstin diesen Gedanken eingeblasen hatte im Interesse Hartliebs, verschwieg das Hoffräulein, um nicht zuviel zu verraten. Nur ganz wenig hatte Martina durchblicken lassen, daß nach Rückkehr des jungen Prinzen das „Weiberregiment“ ein wohltätiges Ende finden werde. Einen Freudenschrei aus Hartliebs frohbewegter, von Druck und Sorgen befreiter Brust hatte Martina erwartet. Ambros Hartlieb aber hatte tiefernst mit tonloser Stimme geantwortet: „Zu spät!“
So bestürzt war Martina, daß sie gar nicht fragen konnte, was geschehen sei.
Wie erloschen schien Lebensfreude und Zukunftshoffnung in Hartlieb, da er nach einer Pause sprach: „Zu spät kommt diese Botschaft, denn ich habe Schritte getan, um eine – andere Stellung zu erhalten! Hier sind die dienstlichen und sonstigen Verhältnisse unerträglich geworden!“
In Martina quoll nach dem ersten lähmenden Schrecken jetzt doch eine kleine Hoffnung auf, auch der Mut zu fragen, ob denn ein Stellungswechsel sich so rasend schnell vollziehe, daß es für hier „zu spät“ sein müsse.
Ein leises Lächeln huschte über Hartliebs ernstes Antlitz: „Das wohl nicht! Ich habe an den früheren Jagdpächter von Hall, Grafen Lichtenberg, geschrieben, ihn um gnädige Vermittlung und Empfehlung gebeten...“
„Ach so!“ rief Martina im Tone der Befreiung von schwerer Sorge. „Demnach ist noch nichts abgemacht, Sie können also abwarten und zusehen, wie sich die Dienstesverhältnisse – bessern werden! Und sind sie ‚erträglich‘ oder gar – was ich hoffe und wünsche – gut geworden, so wird der Herr Oberförster doch wohl hierbleiben! Landschaftlich ist es ja doch wundervoll im Halltale, nicht?“
„Gewiß! Nur schweren Herzens würde ich von hier scheiden! An eine günstige Gestaltung der Verhältnisse vermag ich aber nicht zu glauben!“