„Wo es sich um meine Wünsche handelt, hat Domestikengeschwätz nichts, aber rein gar nichts zu bedeuten! Sie handeln ja in meinem Auftrage und helfen einer bekümmerten Mutter! Sie dürfen jedoch mit keinem Ton verraten, daß die Intervention mit meinem Wissen erfolgt! Und nun gehen Sie ans Werk! Die Mutter dankt Ihnen von ganzem Herzen für diesen Lieblingsdienst, den ich nie vergessen werde!“ Liebreich und huldvoll reichte die Fürstin dem Hoffräulein die Hand zum Kusse.

Auf ihrem Zimmer konnte Martina den Kriegsplan entwerfen. Ein geradezu lästiger Auftrag, unangenehm und gefährlich; dennoch nicht ganz unerwünscht nach der Richtung hin, daß Martina im Interesse Hartliebs wirken kann, wenn ihr Einfluß den Prinzen bestimmt, sich um die Jagd zu kümmern, mit Hartlieb zu verkehren und der Mißwirtschaft ein Ende zu machen. Werden die Dienstesverhältnisse gebessert, so wird Hartlieb froh werden und Martina dankbar sein.

Ein beseligender Gedanke und Ausblick in die Zukunft. Vertrauensperson der Fürstin! Wie aber schnell und ausgiebig Einfluß auf den Prinzen gewinnen, ohne daß das hübsche Hoffräulein sich etwas vergibt und den Ruf schädigt...?

Ein langes Sinnen und Planen. Dann ein Lächeln der Befriedigung, wobei die feinen Marderzähnchen blinkten.

Martina hielt fleißig Ausschau nach dem „Zahnstocher mit dem Schafblick“. Vorerst vergebens.

Aber gegen Abend vor der Dinerstunde sah sie den Prinzen zigarettenrauchend am Waldesrande unter einer Fichte liegen, vermutlich vor Langeweile zum Sterben bereit.

Mustela auf der Jagd... Martina schlich aus dem Schlößl, promenierte gegen den Talschluß zu, bog vom Sträßlein ab und stieg ein Weilchen bergan. Dann kam wie von ungefähr und rein zufällig das Hoffräulein, leise ein Liedchen summend, von oben genau in der Richtung auf den lungernden Prinzen herab.

Schon das Knacken dürrer Zweige, das Kollern losgetretener Steine hatte Emil aufmerksam gemacht. Neugierig guckte er aufwärts. Und wie er das hübsche Hoffräulein im neckischen Lodenkleide erblickte, grüßte er vergnügt lächelnd und fragte, ob Fräulein von Gussitsch „dienstlich“ Steine loslöse und ein Prinzenleben dadurch schwer gefährde.

Im grünen Tann ein köstlich karikierter Hofknicks, wobei Martina kichernd mit den Fingerspitzen das fußfreie Lodenkittelchen um einen Zoll hochhob. „Untertänigst zu dienen! Die Steinchen haben nicht meine Füße losgelöst, sondern das schlechte Gewissen, die schwer bedrückte Hofdamenseele...!“

Mit einem wahrhaftigen Schafblick guckte Emil das Fräulein an. „Was? Schlechtes Gewissen, bedrückte Seele? Ich bin perplex! Non capisco niente!“