Dazu war Ambros Hartlieb natürlich mit Vergnügen bereit. Nur fragte er, während er nach Büchse und Bergstock griff, ob denn der Prinz mit Proviant versehen sei.

„Ist nicht nötig! Werde nicht verhungern!“

So marschierten beide denn ab. Und Hartlieb schlug einen Jägersteig ein, der zwar arg steil war, dafür schnell in die Höhe führte... Wie sich der Oberförster über den Wandel der Dinge freute! Manches am jungen Herrn gefiel Hartlieb in hohem Maße: der Eifer, die Einfachheit, der gute Wille für eine Reorganisation und Abschaffung der Günstlingswirtschaft. Nicht weniger erfreulich war für den Jagdleiter die Abschußbewilligung. Sonderbar fand Hartlieb allerdings den Verzicht auf jegliches Weidwerken; sonderbar bei einem jungen Manne, dem so herrliche, reichbestandene Reviere zur Verfügung stehen. Sollte der Mangel an Jagdinteresse wirklich bis zur Gleichgültigkeit für jegliches Wild gesteigert sein? Im langsamen Steigen erinnerte sich Hartlieb wieder der Worte des Grafen Thurn, der Frage, ob ein junger apathischer Mann beim Anblick von Wild auftauen, gewissermaßen von Jagdfieber ergriffen werden könne. Eine Probe darauf wollte Hartlieb vornehmen, den Prinzen an einen kapitalen Hirsch bringen, Emil das schußfertige Gewehr geben, und das Weitere beobachten. Nach Hartliebs Meinung kann ein schußberechtigter Mann beim Anblick eines Kapitalen unmöglich eiszapfig bleiben, das Hirschfieber muß wirken...

Steigen konnte Emil vorzüglich, trittsicher und geräuschlos. Immer hielt er Abstand ein, blieb nie zurück und schwätzte nicht.

Durch einen finsteren, engen Steilgraben ging es aufwärts, dann hinein in düsteren Hochwald, der zu den „Haller Mauern“ sich dehnte.

Hartlieb strebte im lautlosen Pirschschritt einer Lichtung zu, wo seit einiger Zeit ein kapitaler Zwölfender stand.

Emil folgte dem Führer stumm und unhörbar.

Zwischen den alten hochstämmigen Mantelfichten schimmerte es grau, die Lichtung war nahe.

Hartlieb blieb stehen, um zu horchen. Wie angemauert stand fünf Schritte von ihm der Prinz.