Von der Lichtungswiese her kam ein rauher Ruf, ein kurzer Trenzer, dann ein dröhnend Rollen, der Schrei des Brunfthirsches zornig, begehrlich, ungeduldig, herausfordernd: „ä–o–ah!“
Ein forschender Blick Hartliebs musterte den Prinzen, der ruhig stand und nur etwas verwundert horchte. Keine Spur von Leidenschaft oder Ergriffenheit.
So nahe als möglich pirschte Hartlieb den röhrenden Hirsch an. Gehorsam wie ein guter Jagdhund folgte ihm der Prinz auf Schritt und Tritt.
Fast in der Mitte der felsumrandeten Lichtung stand der Kapitale breit, vorgestreckt den zottigen Hals, werbend und kampfbegierig schreiend. Ein König, der zum Kampfe ruft...
Bis auf Kugelschußdistanz brachte Hartlieb den Prinzen, der staunend den kapitalen Zwölfender anguckte. Flink und lautlos machte Hartlieb seine Büchsflinte schußfertig und gab sie wortlos dem Prinzen in der sicheren Erwartung, daß Emil nun zielen, die berühmte Sekunde lang die höchste Weidmannswonne genießen werde, indem das Büchsenkorn im Hirschblatt Haar faßt und der Finger den Stecher zum Schuß berührt...
Prinz Emil sprach laut: „Aber was wollen S’ denn?“ Und er gab die Büchse zurück.
In hoher Flucht ging der vergrämte Hirsch ab...
Jetzt wußte Hartlieb bestimmt, daß dieser junge Mann kein Jäger war und niemals einer werden wird.
Fast schmerzlich wirkte diese Erkenntnis auf den Jagdleiter. Und nichts weniger denn ermunternd für den Dienst unter einem Jagdherrn, der kein Weidmann ist...