Als der Wagen an der Jagdvilla vorfuhr, bat Martina bebenden Tones um Gewährung einer außerordentlichen Audienz.
„Ich werde Sie rufen lassen! Vorerst habe ich mit meinem Sohne zu sprechen!“ erwiderte sehr frostig die Fürstin.
Hildegard kam gesprungen, um die Fürstin in ihr Zimmer zu geleiten und beim Kleiderwechsel behilflich zu sein. Das mußte auf ausdrücklichen Befehl sehr rasch geschehen. Dann erfolgte der Auftrag, den Prinzen zu rufen und dafür zu sorgen, daß keine Störung erfolge.
Die Kammerfrau beteuerte, strengsten Türdienst leisten zu wollen. War doch ihre Neugierde übergroß.
Hochaufgerichtet, wie eine strafende Göttin, flammenden Blickes, empört und entrüstet, stand die Mama vor dem Sohne, der sich trotzig verhielt, zum Losplatzen bereit schien, aber doch gehorsam die gepfefferte Strafpredigt ruhig anhörte.
Aneinandergereihte Rügen für ein unartig gewesenes Kind, Tadelsworte, die mit der Frage endeten, was denn das Spiel heißen solle.
„Nicht Spiel, Mama! Ich liebe Fräulein von Gussitsch!“
„Ach was! Wo hast du nicht geliebt? In Dresden? In Dessau? Und in Berlin das bürgerliche Fräulein? Jünglingslaunen, Strohfeuer! Etliche kalte Umschläge, und der Fall ist erledigt! Bedauerlich, ja schmerzlich ist es für mich, daß ich die nette, mir sympathische Person nun entlassen, das arme Mädel in die grausame Welt hinausstoßen muß! Und das ist deine Schuld!“
Festen Tones erwiderte Emil: „Nein, Mama! Nicht Jünglingslaunen, denn ich bin volljährig! Und nicht Strohfeuer, denn es ist heftige Leidenschaft, brennende Liebe!“