Spät des Morgens erwachte Prinz Emil. Mit einigem Haarweh als Folgen eines ausgiebig genommenen Schlaftrunkes am verflossenen Abend. Zwei Flaschen schweren Ungarweines, die sich Emil als Schlummerpunsch geleistet hatte, waren von guter Wirkung gewesen und hatten allen Ärger verscheucht und einen prächtigen Schlaf erzeugt. Jetzt am Morgen hieß es, Kater vertreiben, zunächst mit Kaltwasser den Schädel behandeln. Viel quellfrisches Wasser benötigte Emil. Und in diesem vielen Naß ertrank ganz jämmerlich eine gewisse Liebe zu einer gewissen Dame. Und nach Beseitigung des Haarwehs sagte sich Emil, daß er eigentlich doch sehr dämlich vorgegangen sei und sich überflüssigerweise eine böse Suppe eingebrockt habe. In der Gewissenserforschung kam er zu einem lebhaften Bedauern, die doch so nette Hofdame in eine sehr schlimme Situation gebracht zu haben. Unrecht hatte die Mama ja nicht, daß sie die Liebäugelei, den Flirt mit der Gussitsch nicht dulden wollte. Und völlig gerechtfertigt und einleuchtend ist der Protest gegen eine Heirat. Ordentlich froh war Emil, daß sich die Mama mit dem strikten Verbot als die Gescheitere erwies; denn jetzt am Morgen empfand er nicht die Spur einer heißen Liebe, nicht die geringste Lust, die Gussitsch zu heiraten. Dafür etwas wie Reue, sich in die Nesseln gesetzt zu haben. Das war erklecklich dumm. Dieser Selbsterkenntnis gesellte sich die Frage bei, wie auf gute und nicht schmerzhafte Weise die Folgen dieser Dummheit beseitigt werden könnten. Unvermeidlich wird ein Kanossagang zur Mama, eine ehrliche Beichte sein; muß aber gemacht werden, schon wegen der schlechten Finanzen. Und Fräulein von Gussitsch wird man um Entschuldigung bitten müssen.
Mit diesem guten Vorsatze fand Emil denn auch das seelische Gleichgewicht wieder, den leichten Frohsinn der Jugend. Er frühstückte mit Behagen. Und als er sich die Zigarette anzündete, wurde der Oberförster Hartlieb gemeldet.
„Ich lasse bitten, im Empfangssalon!“ sprach Prinz Emil und fügte bei: „Seit wann versieht denn die Kammerfrau den Meldedienst? Wo steckt denn Norbert?“
Hildegard gab Auskunft, daß Norbert nach Admont gefahren sei, um die Post zu holen. Deshalb habe sie den Meldedienst übernommen.
„Danke! Führen Sie den Oberförster in den Salon!“
Die Kammerfrau verschwand.
Als gutmütiger Mensch wollte Emil den Beamten nicht unnötig warten lassen; es tat dem Prinzen zwar leid, die Zigarette wegzuwerfen, aber es geschah doch.
Beim Eintritt in das Zirbenzimmer fiel Emil der verstörte Gesichtsausdruck, die verzerrte Miene Hartliebs auf. Kalkweiß waren die Wangen, der Blick kündete bittersten Schmerz.
„Was ist Ihnen? Sind Sie krank?“ fragte teilnahmsvoll der Prinz.