Der Prior am Hochaltare stimmte das „Kredo“ an, das dann der Musikchor zu Ende sang.
Nun trat Schweigen im Dome ein. Tiefes, feierliches Schweigen.
Aus der Sakristei kam der Zug der Stiftsherren, paarweise, voran die jüngsten Patres, dann die älteren, die alten mit dem Schnee auf dem Haupte oder kahlköpfig; alle bekleidet mit dem weiten, faltigen, schwarzen Ordenskleide mit Kapuze, zuletzt schritt der Abt mit goldenem Brustkreuz an schwerer Kette, auf dem Haupte die Mitra, in der Hand den silbernen Stab.
Im Presbyterium bildeten die Patres Spalier, durch das der Abt mit seinem Zeremoniar schritt. Dann betrat der Abt die Stufen des Hochaltars und nahm Platz auf dem für ihn bereitgestellten Stuhle.
Der Prior mit seiner Assistenz stand auf der Epistelseite vor den Sitzen.
Nun waltete der Spiritual seines Amtes, indem er Nonnosus, der die Pergamentrolle in der zitternden Rechten trug, zum Abte geleitete. Hier kniete Nonnosus nieder und reichte die Urkunde entfaltet dem Abte, der sie entgegennahm und dem Profitenten zum Ablesen vorhielt.
Nonnosus bekreuzte sich und las den lateinischen Text der Profeßformel mit dem Schlusse: „In huius rei testimonium praesentem schedulam manu propria scripsi.“ (Zum Zeugnis dessen hab ich gegenwärtige Urkunde mit eigener Hand geschrieben.)
Langsam und würdevoll sprach der Abt: „Haec tibi servanti vitam aeternam promitto!“ (Wenn du dies beobachtest, verspreche ich dir das ewige Leben.)
Nonnosus stand auf, trug die Urkunde zur Epistelseite des Hochaltars. Dann kehrte er zum Stuhle des Abtes zurück und kniete wieder nieder.
Abt Beda sprach ein Gebet über den Profitenten, erhob sich von seinem Sitze und blieb stehen, bis der vom Spiritual geleitete Nonnosus das Ende des Presbyteriums erreichte. Hier knieten beide nieder und sangen den Psalmvers: „Suscipe me, Domine, secundum eloquium tuum et vivam, et non confundas me ab expectatione mea.“