Der ganze Konvent, alle Patres sangen diesen Vers im gleichen Tone nach.

Nun standen Nonnosus und der Spiritual auf, gingen bis in die Mitte des Presbyteriums, knieten hier nieder und sangen den Vers um einen Ton höher.

Der Konvent wiederholte den Vers gleichfalls in erhöhtem Tone. Der Spiritual führte den Profitenten nun bis zur untersten Stufe des Hochaltars, wo zum drittenmal und wieder um einen Ton höher der Vers gesungen, vom Konvent dann wiederholt wurde. Und ergreifend klang der vom ganzen Kapitel gesungene Schluß: „Gloria Patri et Filio et Spiritui sancto. Sicut erat in principio et nunc et semper et in saecula saeculorum. Amen.“

Nochmal segnete der Abt den vor dem Hochaltare knienden Profitenten und sprach über ihn Gebete. Dann schritt Abt Beda zur Epistelseite und weihte die dort niedergelegten neuen Ordenskleider für den Profitenten. Hierauf kniete der Abt auf der obersten Stufe des Altares nieder und stimmte den Hymnus an: „Veni creator spiritus“. Der Musikchor sang den Hymnus weiter.

Feierlich gestaltete sich die Abnahme des bisherigen Skapuliers und Bekleidung des Profitenten mit einem neuen, ad hoc geweihten Skapulier seitens des Abtes, der dann Nonnosus die Hand reichte und ihm auf beide Wangen den Bruderkuß gab. Während der Abt mit Mitra und Stab in der Mitte des Altares stehenblieb, vollzog sich die Zeremonie des Bruderkusses, indem Nonnosus mit dem Pater Prior und allen Kapitularen den Kuß tauschte.

Laienbrüder trugen ein schwarzes Bahrtuch in das Presbyterium und breiteten es in der Mitte des Presbyteriums aus, just an der Stelle, unter der sich die Totengruft des Konventes befindet. Auf das Bahrtuch gegen den Altar zu wurde ein schwarzes Kissen gelegt.

Nonnosus küßte den jüngsten Pater und schritt dann langsam zum Bahrtuch, zog die Kapuze über den Kopf und legte sich der Länge nach auf das schwarze Tuch, drückte das blasse Gesicht auf das Kissen und blieb regungslos liegen.

Im selben Augenblick ertönte die große Sterbeglocke dumpf in schweren Schlägen, ernst und feierlich, mahnend, daß der auf dem Bahrtuche und so nahe der Totengruft liegende Profitent nun der Welt abgestorben sein soll und muß...

Ein schwaches Zucken lief durch den Körper des Pater Nonnosus, der die zum Gebet gefalteten Hände fester aneinanderpreßte. Kam ihm doch in diesem erschütternden Moment so recht zum Bewußtsein, daß jetzt der Abschied von der Welt sich für immer vollzogen hat...