Helle Klingeltöne verkündeten das Sanktus. Der eine Diakon verließ den Hochaltar und schritt zum Bahrtuche. Und er berührte mit dem Fuße leicht den Profitenten und sprach: „Surge qui dormis et exurge a mortuis, et illuminabit te Christus!“ (Erhebe dich, der du ruhest, und steh auf von den Toten, erleuchten wird dich Christus.)

Nonnosus erhob sich langsam und zog die Kapuze vom Haupte. Kalkig waren seine Wangen. In den Augen glühte das Feuer der Begeisterung für den Beruf.

Nonnosus begab sich in den Chorstuhl, wo er niederkniete. Der Diakon kehrte an den Altar zurück.

Nach der Kommunion des zelebrierenden Priors schritt Nonnosus zum Altar, aus der Hand des Priors empfing er das hl. Abendmahl, worauf er zu seinem Stuhle zurückkehrte.

Zum Schlusse des Hochamtes ging Nonnosus zum letztenmal an den Altar, auf der untersten Stufe kniend empfing er den besonderen Segen des Priors. Und hier blieb er dann allein, versunken in Gebete, nachdem der Prior samt Assistenz die Kirche verlassen hatte.

Aufgenommen als gleichberechtigter Konventual, aber allein, um Gelegenheit zu haben, Gott zu danken...

Zwölftes Kapitel

Einer Herzensregung folgend, besuchte die Fürstin das vom Tisch verbannte Fräulein von Gussitsch. Wider Absicht und Willen klagte die Fürstin leisen Tones darüber, daß der Sohn so gar kein Faserchen Mut besitze, wohl auch nie lernen werde, sich selbst zu überwinden. Ob Emil je die Mannesfestigkeit erringen werde? Jenen stahlharten Willen, der allein es ermöglicht, aufrecht durch das Erdenleben zu gehen?

Die Fürstin hielt im Sprechen inne, erwartete von Martina Antwort, vielleicht auch ein Trosteswort. Das arme Hoffräulein rang nach Worten und fand keines.