„Viel Vergnügen! Und Weidmannsheil!“

Mit Handkuß verabschiedete sich der alte Hausmarschall.

Das Versehen verspätet gutgemacht zu haben, gewährte der Fürstin eine gewisse Befriedigung. Aber einen Stachel hatte sie doch in der Brust, so sie an Emil, an seine Gleichgültigkeit gegen Wild und Jagd dachte. Und sie flüsterte: „Bin aber nicht auch ich gleichgültig geworden? Ist in mir nicht auch jegliches Jagdinteresse erstorben? Eben weil Emil sich nicht dafür interessiert!“ Und Sophie wünschte sich, es möge der Sohn sich einen stahlharten Willen erwerben.

*

Einen Tag später lauerte Prinz Emil im kleinen Bahnhofe zu Admont wie die Spinne auf eine Fliege im Netz auf den Pfarrer Pater Wilfrid, der mit einem Zuge von Selztal zurückkommen sollte. So hatte der Klosterpförtner berichtet, aber nicht zu sagen gewußt, wann der Pater Gastmeister heimkommen werde.

Da nun Emil den Hofpfarrer in finanzieller Angelegenheit unter allen Umständen sprechen wollte, wartete der geldhungrige Prinz von vormittag neun Uhr ab auf jeden Zug aus der Richtung von Selztal. Die Zwischenzeit vertrieb er sich mit Bummeln, leistete sich im Stiftskeller, der für Laiengäste offenstand, auch ein Fläschchen Edelweines aus der Luttenberger Gegend; doch prompt fand Emil sich wieder im Bahnhofe ein, wenn ein Zug fällig war. Gegen Mittag kreuzten zwei Züge aus Süd und Nord in Admont. Der Erwartete kam nicht. Aber dem Zuge aus dem Süden entstieg eine junge Dame, deren wundersame Erscheinung Emil Herzklopfen verursachte. Tannenschlank die Gestalt, fein geschnitten das Gesicht, gebräunt die Wangen von südlicher Sonne. Dunkle, feurige und große Augen. Welscher Typus aus Norditalien wohl, gemildert etwas durch germanischen Einschlag. Elegante Toilette, sicheres Auftreten der befehlgewohnten Aristokratin, deren Stimme wie ein Silberglöckchen klang, als die junge Dame nach einem Gepäckträger rief. Und zwar vergeblich, da es in dem Miniaturbahnhofe trotz des starken Verkehrs keine Diener und Träger gab.

Das Köfferchen und die Lederhandtasche verrieten wie die Gestalt höchste Eleganz.

Betroffen stand die junge Dame am Zuge und guckte nach einem dienstbaren Geist, indes die Passagiere hastig den Zug verließen, andere Fahrgäste aber einstiegen.

Emil ging auf die Dame zu und bot seine Dienste mit ritterlicher Galanterie und mit einem Humor an, der das Fräulein lachen machte. Emil sagte nämlich: „Dem Beruf nach bin ich zwar kein Packträger, aber recht viel mehr Intelligenz besitze ich auch nicht! Schönes Fräulein, darf ich’s wagen, Ihnen meine Dienste anzutragen? Auf Trinkgeld verzichte ich!“