Für einen Moment stutzte Emil; es überraschte ihn, daß das fremde Fräulein Kenntnis von der Existenz der Schwarzensteins hatte. Die Lust an Abenteuern war aber so groß, daß er keck und verwegen log und schwindelte, frischweg behauptete, der Privatsekretär der Fürstin zu sein.

„Ah! Da sind Sie ja des Vertrauens würdig! Und falls Sie gleich mir nach Hall fahren wollen, lade ich Sie ein, mich zu begleiten!“

„Mit größtem Vergnügen! Also Gnädigste wünschen, nach Hall zu fahren! Darf ich fragen: Hall Dorf, Forsthaus oder Jagdschlößl?“

„Für einen Geheimsekretär sind Sie ein bissel – neugierig!“ stichelte das elegante und bildhübsche Fräulein.

„Stimmt! Böse Beispiele verderben gute Sitten! Man lernt das Neugierigsein von den Dienern und Vertrauenspersonen! Ich will nicht fragen, wer Gnädigste sind!“

„Sehr löblich von Ihnen! Ich will aber freiwillig den Schleier des Geheimnisses lüften: ich bin die – Schwester des Oberförsters!“

Emil machte ein wahrhaftiges Schafsgesicht. Und verblüfft stotterte er: „Nicht möglich! Hartlieb hat ja gar keine Schwester!“

Der Omnibus hielt vor dem Gasthofe „Post“. Hotelgäste vermutend stürzten der Eigentümer, der „Herr Ober“, ein Kellner und der langohrige Pikkolo dienstbereit herbei.

Prinz Schwarzenstein half der Dame aussteigen und bestellte sofort einen Wagen zur Fahrt nach Hall-Forsthaus. Dann bot er dem Fräulein ein Frühstück an, das jedoch dankend abgelehnt wurde. Ziemlich abgekühlt, überlegte Emil, ob er nicht guttun würde, sich zu drücken. Ist das verdammt hübsche Fräulein wirklich die Schwester Hartliebs, dann heißt es für den Prinzen: Hands off!