Emil schickte den Wagen mit dem Gepäck voraus. Auf dem Wege zur Villa mußte er den stummen Begleiter spielen, denn Mama sprach ausschließlich mit Komtesse Isotta.
In böse Verlegenheit brachte ihn die Frage der Fürstin, wo er die Komtesse aufgegabelt habe. „Meines Wissens hast du doch die Komtesse bisher nie gesehen!“
Rasch gefaßt, antwortete Isotta an Emils Stelle, daß sie im Bahnhofe Admont den ihr unbekannten Prinzen um Auskunft über eine Fahrgelegenheit zum Forsthause Hall gebeten und sich hernach als Tochter des Hausmarschalls vorgestellt habe. Worauf Prinz Emil mitgefahren sei.
„Ach so!“ Mit einigem Mißtrauen fragte die Fürstin den Sohn: „Was hattest denn du auf dem Bahnhof zu tun? Noch dazu zur Zeit, da wir speisen?“
„Verzeihung, Mama! Ich konnte nicht rechtzeitig um Dispens vom Lunch bitten! Auf dem Bahnhof wollte ich Pater Wilfrid erwarten, der aber nicht kam! Ein Glück, daß ich anwesend war, der Komtesse behilflich sein konnte!“
Zwei Blicke des Einverständnisses der jungen Leute kreuzten sich. Optische Warnungen vor Verplapperung. Besonders Isottas Blick mahnte zur Vorsicht.
Wonne und Glückseligkeit empfand Emil, daß die Komtesse sich so tapfer auf seine Seite stellte und so brillant lügen konnte, um das Geheimnis der Bekanntschaft zu wahren. Ein schneidiges Mädel, höchst sympathisch, nett zum Anbeißen! Dazu Gräfin, also...
Als Quartier bekam Komtesse Thurn ein Zimmer ähnlich dem Hoffräuleingemache, klein, doch zweckentsprechend eingerichtet. Die Räumlichkeiten waren im Jagdschlößl beschränkt, nur für Jagdgäste zu kurzem Aufenthalt bemessen.
Die Fürstin machte Isotta mit der Hausordnung bekannt, stellte Fräulein von Gussitsch vor und beauftragte die Dienerschaft, dem Gaste alle Aufmerksamkeit zu widmen. Alle Liebenswürdigkeit konnte jedoch die Komtesse darüber nicht täuschen, daß die Fürstin irgendein Mißtrauen hegte. Auch fiel es Isotta auf, wie scharf die Mama den Sohn bei Tisch überwachte.