Davon merkte Emil anscheinend nichts, er gab sich keine Mühe, die Freude über die Anwesenheit der ihm höchst sympathischen Komtesse zu verbergen, und widmete ihr seine Aufmerksamkeit. Ohne Übertreibung, ohne Draufgängerei. Freilich glänzten seine Augen seltsam.

Die Hofdame war bei Tisch nur Staffage, es hatte Martina reichlich Gelegenheit zu stillen Beobachtungen, und sie war sich sehr rasch darüber klar, daß Prinz Emil jetzt ernstlich Feuer gefangen habe, und daß die Fürstin die Situation erfaßte und keineswegs einverstanden war. Das Abschwenken Emils konnte Martina nur willkommen sein, die Ignorierung ihrer Person verbürgte Ruhe. Aber neugierig war Martina doch auf die Entwicklung der fühlbar gespannten Situation.

Auffällig war, daß die Fürstin sich nach dem abendlichen Diner nicht wie üblich zurückzog, sondern im Speisezimmer blieb und Martina um etwas Musik bat. Fräulein von Gussitsch mußte das im Empfangssalon stehende Pianino bearbeiten, vermutlich nur zum Zwecke, daß Prinz Emil der Komtesse nicht die Cour schneiden konnte und zur Schweigsamkeit gezwungen war. Eine lange Stunde hindurch mußte Martina Musik machen. Dann wurde kurz dafür gedankt und Schluß befohlen. Kurzer Abschied, rascher Rückzug.

Auf seiner Bude konnte Emil sich mopsen nach Belieben. Auch das schöne Liedchen summen: „Du bist mir nah und doch so fern.“ Wie sehr er sich für Isotta interessierte, bewies die Tatsache, daß für diesen Abend kein Schlummerpunsch in sein Kämmerlein kam, das verliebte Prinzlein völlig nüchtern in die Federn kroch und langmächtig und wahrhaftig maikäferte.

Mehrere Enttäuschungen brachte der nächste Tag für Emil. Nicht für ein Viertelstündchen war es möglich, mit Komtesse Isotta ohne Zeugen zu sprechen; Mama belegte sie ständig, ging mit ihr spazieren, beschäftigte sie fortwährend, bis es Zeit wurde, für den Grafen Thurn den Wagen zum Admonter Bahnhof zu senden. Isotta wurde es freigestellt, den Papa abzuholen, und für diesen Fall war Fräulein von Gussitsch zur Begleitung befohlen. Wie dies Emil hörte, verzichtete er sofort auf die Mitfahrt.

Die Komtesse hingegen wollte um die Erlaubnis bitten, Papa im Forsthause erwarten zu dürfen, fügte sich aber der Anordnung und fuhr mit Martina weg.

Zwei Stunden später kam Fräulein von Gussitsch allein zurück und meldete der Fürstin dienstlich, daß Graf Thurn vorerst mit seiner Tochter im Forsthause eine Aussprache pflegen wolle und sodann ins Jagdschlößl kommen werde, um wegen der unangenehmen Überraschung Durchlaucht untertänigst um Entschuldigung zu bitten.

Fürstin Sophie nickte nur. Und das Lächeln einer gewissen Befriedigung huschte über ihre Lippen. Sie schien die Handlungsweise des allzeit streng korrekten Hofchefs erwartet zu haben.

In der Wohnung Thurns entlud sich ein böses Ungewitter über das schöne Töchterlein. Graf Thurn rüffelte Isotta wegen der leichtsinnig unternommenen Soloreise, ganz besonders aber ob der schweren Belästigung der Fürstin durch die geradezu unverschämte Einquartierung in das Schlößl.