Isotta wehrte sich mit dem Hinweise, daß man sie ja genötigt habe, Quartier im Jagdschlößl zu nehmen.
„Ach was! Wenn man überraschend kommt und einem ins Haus plumpst, bleibt den hohen Herrschaften nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen und den Eindringling willkommen zu heißen! Traurig genug, daß die Tochter des Hofchefs nicht soviel Lebensart hat, um einen skandalösen Überfall zu vermeiden!“
„Aber, Papa! Ich versichere dir, daß ich gezwungen worden bin!“
„Wer hat dich gezwungen?“
„Prinz Emil!“
Die Stirne runzelnd rief Graf Thurn: „Unmöglich! Den Prinzen kennst du ja gar nicht! Wie kann Prinz Emil dazu kommen, dich einzuladen!“
Der Ärger über den Rüffel verleitete Isotta zu einer unvorsichtigen Beichte, wie sie den netten und liebenswürdigen Prinzen kennengelernt hatte, ganz zufällig, und dann selbstverständlich mit ihm zum Forsthause gefahren sei. Und hierauf habe der Prinz sie der zufällig auf einem Spaziergange herbeigekommenen Fürstin vorgestellt.
Jetzt rügte Thurn das Gebaren der Tochter erst recht scharf und als skandalöse Aufdringlichkeit. Nicht weniger die empörenden Mängel der Schulerziehung. Wenn schon nicht Verstand und Vernunft, so doch das weibliche Gefühl hätte derlei Taktlosigkeiten verhindern müssen. Unerhört, wie sich eine Komtesse Thurn dem Prinzen geradezu an den Hals werfen konnte. Blamiert bis auf die Knochen sei der Hofchef und Vater. Und was die Fürstin sich denken werde! „Dein Verhalten zwingt mich, die Konsequenzen zu ziehen! Die erste Folge ist, daß ich um sofortigen Urlaub bitten werde, um dich morgen zu Verwandten nach Mailand zu bringen! Zum zweiten bin ich genötigt, meine Entlassung zu erbitten! Das Schlößl betrittst du nicht mehr! Du nächtigst bei mir! Dein Gepäck werde ich holen lassen! So, und nun hast du Zimmerarrest! Ich gehe indessen zur Fürstin!“ Kurz entschlossen sperrte Graf Thurn die Tochter im Zimmer ein und steckte den Schlüssel zu sich. Und eilig ging er zum Jagdschlößl.
In außerordentlicher Audienz stimmte Fürstin Sophie zu, daß Graf Thurn Urlaub nach Italien nehme, die Bitte um Entlassung hingegen lehnte sie ab, weil kein Grund dazu vorhanden sei. Und leisen Tones fügte sie hinzu: „Es liegt auch nicht alle Schuld auf der anderen Seite! Mein Sohn dürfte ebenfalls – hm – inkorrekt vorgegangen sein, er wird seine Strafe schon noch bekommen! Jedenfalls ist Ihre und der Komtesse Abreise wünschenswert! Der Wagen für morgen früh steht zur Verfügung, wollen Sie selbst den Kutscher verständigen! Norbert soll das Gepäck der Komtesse nach dem Forsthause bringen! Gute Reise, lieber Graf!“
„Untertänigsten Dank, Durchlaucht!“