Dreizehntes Kapitel

Schon zum Frühstück erfuhr Emil von Norbert die Neuigkeit, daß die Komtesse gar nicht im Jagdschlößl genächtigt habe und mit Papa in aller Frühe abgereist sei. „Überraschend gekommen, überraschend gegangen! Schade, so hübsch die Komtesse und so lustig! Was es da nur gegeben haben mag? Diesmal weiß ich weniger wie nichts!“

Mit einem wahrhaftigen Schafblick guckte Emil den alten Kammerdiener an, bestürzt, fassungslos.

Norbert war längst gegangen, doch konnte Emil noch immer nicht begreifen, was diese verblüffende Abreise veranlaßt haben konnte. Wie auf den Kopf geschlagen fühlte sich der Prinz, denkunfähig, betäubt, niedergeschmettert. Körperliche und seelische Schmerzen, das bittere Gefühl eines furchtbaren Verlustes, eine gähnende Leere. Gewichen ein großes Glück, erstorben jegliche Lebensfreude. Mählich aber reifte der Entschluß, alles zu wagen, um nach Möglichkeit das mit Isotta verknüpfte Lebensglück doch noch zu erringen. Wenn nötig, mit Kampf und Gewalt.

Emil fühlte mit dem Erstarken der Energie, im Zittern um sein Lebensglück, daß es nun mit jeder Gängelei des verhätschelten Muttersöhnchens vorbei sein müsse, daß es zugreifen heißt und Krieg geführt werden muß. Krieg gegen Mama, die zweifellos mitgeholfen, den Grafen Thurn bestimmt hat, seine Tochter wegzubringen. Krieg aber auch gegen Papa Thurn, dem Emil von Schwarzenstein die Tochter Isotta abringen muß. Wo aber die Thurns finden? Die Antwort auf diese selbstgestellte Frage gab die Erinnerung an die Auskunft des Hoffräuleins, daß die Thurns aus Mailand stammen, also dort irgendwo begütert sein werden. Demnach wird man in der Gegend von Mailand nach Thurns Verwandtschaft und Besitzungen zu suchen haben.

Einmal soweit entschlossen, richtete Emil sein Augenmerk auf die Hauptsache: Geld zum Kriegführen.

Der Versuch des Prinzen, vom Oberförster Hartlieb aus der Jagdamtskasse eine Summe zu erhalten, hatte ein klägliches Resultat: gegen Quittung erhielt Emil den für seine Zwecke lumpigen Betrag von hundert Kronen.

In dieser Not stellte sich der Gedanke an Pater Wilfrid ein. Den liebenswürdigen Benediktiner als Pumpquelle hatte Emil ja schon einmal ins Auge genommen, die Ankunft und kurze Anwesenheit Isottas aber die Ausführung des Pumpversuches vereitelt.

Um jedes Aufsehen zu vermeiden, verzichtete der Prinz auf den Wagen, wie ein Dieb schlich er davon und eilte nach Admont. Und glücklich traf er den Pater, Gastmeister und Pfarrer in der Zelle des Stiftes an.

Emil platzte heraus: „Gott sei Dank, daß ich Sie noch rechtzeitig erwischt habe! Ich muß nämlich in dringendster Angelegenheit verreisen, – Ehrensache – habe aber zuwenig Moneten! Darf Mama nicht behelligen, ansonsten kommt sie mir zu früh auf gewisse Schliche! In dieser Verlegenheit muß mir unser lieber Hofpfarrer aushelfen! Ich rufe also in Not und Verlegenheit: hilf, heiliger Wilfrid!“