„Sie haben vermutlich vernommen, daß wir abreisen, und Sie wollen wohl Abschied nehmen?“

„Ja und nein! Verzeihung, es fällt mir so schwer, zu sprechen! Aber es muß sein! Die jähe Abreise...! Werden Sie denn hierher zurückkehren? Und wann? Und was hat denn diese plötzliche Abreise zu bedeuten?“

„Viel Fragen, Herr Oberförster! Und nicht eine einzige kann ich beantworten!“

„Vielleicht doch die Frage – nein, ich will nicht fragen, ich weiß ja, daß es nur ein leeres Gerücht war! Aber unglücklich hat es mich doch gemacht und schweres Leid gebracht! Bitte, bitte inständig, fahren Sie nicht nach Italien, wenn – etwa der Prinz dort unten sein sollte...!“ Ambros brach ab und würgte die anderen Worte hinunter.

Martina erriet, was Hartlieb sagen wollte und nicht aussprechen konnte. Und für sie bestand nun kein Zweifel mehr, daß Ambros, der liebe, ernste, eckige Waldmensch, ihr in ehrlicher Liebe zugetan ist. Ihn darf sie nicht länger leiden lassen, ihm muß sie durch ein kleines Entgegenkommen die Aussprache erleichtern, sozusagen die Zunge lösen. Und das rasch, denn die Zeit drängt... Wie aber entgegenkommen, ohne sich etwas zu vergeben?

Ambros stöhnte: „Der Prinz...!“

„Beruhigen Sie sich, lieber Herr Hartlieb! Es ist nur Strohfeuer gewesen, ein kleiner Brand, der rasch verlöschte; freilich hatte er auch mir viel Leid gebracht! Jetzt brennt es gefährlicher, doch dieser Brand hat uns nichts zu kümmern!“

„Uns?“ Jubelnd wiederholte Ambros dieses Wörtchen. Und nun fand er Mut und Worte, um zu sagen, daß er Fräulein von Gussitsch längst liebe und verehre. „Nur die Werbung konnte ich nicht wagen! Die Verhältnisse sind auch jetzt nicht günstig, aber die bevorstehende Abreise, die Ungewißheit, ob Sie wieder zurückkommen werden, die Möglichkeit, daß die Besitzung verkauft wird, die Angst, Sie zu verlieren, all das zusammen zwingt mich zur innigen Bitte: Erhöre mich, Martina, und werde in Gnaden meine Frau! Viel kann ich freilich nicht bieten, nur ein Leben in der Bergeinsamkeit, aber ehrliche Liebe und Treue und Dankbarkeit! Nimm vorlieb mit dem Wenigen und mit dem verwilderten Waldmenschen...!“

„Still!“ lispelte hold erglühend Martina und schloß mit dem Patschhändchen den Mund Hartliebs.