„Zu Befehl, Durchlaucht!“ sprach Martina und wandte sich zum Gehen. Und wies den Gedanken zurück, der schmerzerfüllten Gebieterin jetzt Mitteilungen persönlicher Art zu machen.

Die Fürstin holte tief Atem. „Noch einen Augenblick, liebe Gussitsch! Sie müssen ja doch wissen, um was es sich handelt! Der Kummer will nicht enden in meinem Hause! Ein Sorgenkind ist mein Sohn! Erst die unglückselige Affäre Emils mit – meiner Hofdame, dann die Flucht, und jetzt teilt mir mein Sohn mit, daß er sich mit Komtesse Isotta Thurn gegen den Willen des Vaters verlobt habe! Emil erbittet meine Zustimmung, Graf Thurn hingegen bittet um sofortige Entlassung! Herr des Himmels, was soll ich tun in dieser Situation! Es ist mir peinlich, den Pater Wilfrid belästigen zu müssen, aber ich benötige seinen Rat! Was denken Sie, liebe Martina, über den schmerzlichen Fall, über Emils unbegreifliches Verhalten und Vorgehen? Bitte, sagen Sie offen Ihre ehrliche Meinung!“

Martina zögerte.

Doch die Fürstin bat flehentlich in ihrer Bedrängnis. „Vielleicht, nein: gewiß findet der Frauensinn, das weibliche Empfinden den richtigen Weg besser als jeder Mann! Ich bitte Sie, liebe Martina, herzlich um Bekanntgabe Ihrer Auffassung!“

Nun mußte das Hoffräulein wohl oder übel der Bitte, die einem Befehl glich, nachkommen. Martina machte aufmerksam, daß es sich nun um eine ernste Angelegenheit handle, daß eine Verweigerung der erbetenen Zustimmung den energisch gewordenen Prinzen auf einen Weg drängen werde, der zu einer gewalttätigen Durchsetzung seines Willens führt. „Nach meiner allerdings unmaßgeblichen Meinung scheint Prinz Emil fest entschlossen zu sein, die Komtesse Thurn zu ehelichen, auch gegen den Willen der Fürstinmutter und des Grafen Thurn! In diesem Entschlusse liegt die Gefahr einer kompromittierenden Gewalttat! Es zeugt von Liebe, daß Prinz Emil die Mama um Zustimmung bittet...!“

Ächzend rief die Fürstin: „Die telegraphische Bitte kann aber ebensogut als eine Nötigung, als ein Ultimatum aufgefaßt werden!“

„Allerdings! Unzweifelhaft ist Prinz Emil zum Äußersten entschlossen! Er wird seinen Willen unter allen Umständen durchsetzen! Wird die erbetene Zustimmung verweigert, so gestaltet sich die Situation erst recht mißlich, der Protest bleibt wirkungslos, ebenso eine etwaige Androhung der Enterbung!“

„Emil besitzt ja keine Mittel, er kann doch gar nicht heiraten! Und die Komtesse muß doch so vernünftig sein, zu erkennen, daß diese unglückselige Heirat einem Sprung ins Dunkle, ins Elend gleichkommt!“