Verwundert blickte Sophie auf und sprach: „Wenn Sie es wünschen, warum denn nicht? Hat denn der Oberförster zu tun in Admont?“

„Einiges zu besprechen hätten wir! Ich muß beichten, Euer Durchlaucht gestehen, daß wir uns – verlobt haben! Und so bitte ich denn in schuldiger Demut und Ehrerbietung um die Erlaubnis...“

Wohl verriet der Blick der Fürstin großes Staunen, eine schmerzliche Überraschung und Enttäuschung, doch gütig und mild sprach die hohe Frau: „Möge Ihnen alles irdische Glück beschieden sein, das wünsche ich Ihnen von Herzen! Wir sprechen noch darüber! Doch jetzt schon bitte ich Sie, schieben Sie die Trauung noch etwas hinaus, lassen Sie mich nicht allein! Eine Verschiebung, bis die Kinder hier und getraut sind! Ja, bitte? Und nun eilen Sie nach Admont der Depeschen wegen! Emil wird sehnsüchtig auf meine Einwilligung warten!“

„Untertänigsten Dank!“ jubelte Martina, küßte der Gebieterin die Hand und wirbelte gegen jede Hofetikette davon.

Sophie setzte sich an das Fenster und blickte hinüber zum nebeldurchzogenen schweigenden Bergwald. Jetzt wußte die einsame Frau, wer dem Hoffräulein die ergreifenden und hinreißenden Worte in den Mund gelegt hatte: die Liebe! Wer selbst liebt, kann beredt von Liebe sprechen! Und viel besser, wärmer und überzeugender als der sonst so redegewandte Hofpfarrer Pater Wilfrid...

Auf leisen Sohlen kam die Kammerfrau Hildegard, um nach Wünschen zu fragen. Und Gift spritzen wollte die um eine Lebenshoffnung gebrachte Witib, hetzen, die Heirat, wenn irgend möglich, hintertreiben.

Kaum merkte die Fürstin, worauf Hildegard zielte, da winkte die Gebieterin ab und sprach: „Ich weiß davon und wünsche der braven Gussitsch alles Glück! Du kannst gehen!“

Vierzehntes Kapitel

Seit Tagen schneite es mit geringen Unterbrechungen. Die Fichten rings um die Villa im Halltal trugen weiße Zipfelmützen und waren in helle Mäntel gehüllt. Trotz des grau verhängten düsteren Himmels war es licht ringsum geworden, der Schnee leuchtete in die Zimmer.