Wie welk und alt fühlte sich Sophie beim Anblick Martinas, die seit der Verlobung vor Glück strahlte... Die Trennung von dem Hoffräulein wird schwerfallen.

„Was bringen Sie mir?“ fragte die Fürstin müden Tones.

„Gute Nachricht, Durchlaucht! Hartlieb verbürgt für morgen herrliches, frostklares Wetter und läßt durch mich Durchlaucht inständig bitten, mit ihm zum Scheiblingstein hinaufzusteigen! Die Gamsbrunft ist im besten Gange, die Böcke treiben hitzig, es wird eine gute, erfolgreiche Pirsch geben!“

Lächelnd erwiderte Sophie, indem sie auf Martina zuschritt: „Ei, ei! Welche Wandlung bei Ihnen! Wenn mich nicht alles täuscht, hatten Sie früher nicht das geringste Interesse für Hochgebirg und Jagd! Und jetzt bedienen sie sich sogar der Weidmannssprache!“

Martina senkte das purpurn erglühende Köpfchen und sprach leise: „Es ist richtig, daß ich geglaubt habe, mich nie mit dem Jagdwesen befreunden zu können...! Aber die Zeiten ändern sich...“

„Und wir mit ihnen! Bei Fräulein von Gussitsch ist der Wandel sehr begreiflich; die Braut eines Jagdleiters muß ja dem Berufe des Bräutigams und Gatten warmes Interesse entgegenbringen!“

„Werden Durchlaucht morgen ins Revier Scheiblingstein hinaufsteigen? Ich bitte untertänigst um Bescheid, um Hartlieb verständigen zu können!“

„Besondere Lust verspüre ich nicht, glaube auch nicht an den Eintritt frostklaren Wetters bis morgen!“

In begeisterten Worten empfahl Martina den Aufstieg ins Gamsrevier, einen wenn auch nur kurzen Aufenthalt in der Höhenwelt mit ihrer Winterpracht, um die Sorgen zu bannen und frischen Lebensmut wiederzugewinnen.

„Ei ei! Sie wünschen wohl, mich begleiten zu können? Genauer gesagt: Martina ersehnt diesen winterlichen Jagdausflug natürlich aus rein ‚jagdlichen‘ Motiven! Gott, wie sie lügen kann und heucheln, die brave Martina!“ Die Fürstin drohte mit erhobenem Zeigefinger und lächelte.