Damit endete diese Pirsch. Mit einem gewaltigen Verdrusse, denn die Fürstin war außer sich wegen der Roheit des Gamsbockes. Und dieser Verdruß erleichterte später in der Pyrgas-Hütte die Mitteilung an Hartlieb, daß das Jagdgut unter ziemlichem Verlust, jedoch mit der Bedingung: Übernahme aller Beamten und Bediensteten in jetziger Gehalts- und Lohnhöhe seit gestern verkauft sei. Ein Erschrecken, wenn nicht Entsetzen des Brautpaares hatte Fürstin Sophie erwartet. Das Verhalten Hartliebs wie Martinas enttäuschte in dieser Beziehung, das Brautpaar blieb gelassen und nahm die inhaltsschwere Mitteilung ruhig entgegen.

Hartlieb bat nur, ihm in Gnaden zu sagen, wer der Käufer sei.

„Der frühere Pächter Graf Lichtenberg, zur Zeit Pächter der stiftischen Jagdgründe im Triebental!“

„Untertänigsten Dank!“ Kein Wort mehr darüber äußerte Hartlieb. Aber sein an die sehr überraschte Braut gerichteter Blick kündete eine unaussprechliche Freude.

Martina senkte die Lider, um das Frohlocken über diese Freudenbotschaft zu verbergen.

Graf Thurn kehrte von der Pirsch zur Hütte zurück, der Jagdgehilfe trug zwei gute Böcke. Innig dankte der Hausmarschall der Gebieterin für die Abschußerlaubnis. Und mit wehmütiger Freude nahm er aus den Händen Hartliebs den grünen Latschenbruch entgegen. War es doch für Thurn der letzte Jagdgang im Haller Revier gewesen...

Am Abend im Jagdschlößl äußerte die Fürstin dem Grafen Thurn gegenüber ihr Befremden darüber, daß der Jagdleiter Hartlieb die Mitteilung vom Verkauf der Herrschaft Hall so überraschend gelassen hingenommen habe. Keine Spur von Trauer oder Schmerz über diesen doch sehr einschneidenden Wechsel. Und sie fragte den Hausmarschall, wie diese befremdende Gleichgültigkeit, der Mangel an jeglicher Anhänglichkeit, zu erklären sei.

Diese Frage versetzte den alten Hofbeamten in eine nicht geringe Verlegenheit. Unmöglich war es, die Wahrheit zu sagen, unmöglich darauf hinzuweisen, daß es für den Jagdbeamten geradezu eine Wonne sei, einem sachkundigen weidgerechten Jagdherrn zu dienen, noch dazu dem Grafen Lichtenberg, dem Kenner der Reviere, dem bereits als grundtüchtigen Jäger wohlbekannten und hochgeschätzten früheren Pächter. Unmöglich konnte Thurn sagen, daß Hartlieb nach all dem seither im Dienste Erlebten den Verkauf geradezu als Befreiung aus unerquicklichen Verhältnissen empfinden und bejubeln muß. Aus der Verlegenheit zog sich Graf Thurn aalglatt mit der Versicherung, daß der Brautstand des Paares den Schmerz über den Wechsel, den Kummer über den Verlust der so gnädigen Gebieterin paralysieren werde. Das Brautpaar habe wohl nur das bevorstehende Eheglück vor Augen...

Mit dieser diplomatischen Antwort gab sich die Fürstin zufrieden. Eine leise Verstimmung mochte aber doch zurückgeblieben sein, denn Sophie gab Befehl zur Übersiedlung nach Wien noch vor der Trauung des Paares.