Als die Fürstin die Bestürzung Martinas gewahrte, siegte die Herzensgüte aber doch über die Verstimmung und ließ die hohe Frau sprechen: „Sie sollen nicht obdachlos werden, liebe Martina, ehe Sie den Schutz des Gatten erhalten! Ich nehme Sie mit nach Wien, denn ich benötige die Hofdame dringend zur Auswahl der Hochzeitsgeschenke! Zur Trauung fahren Sie dann nach Hall! Ist’s recht so?“

In aufquellender Dankbarkeit küßte Martina der herzensguten Fürstin die Hand.

Als Hartlieb diese Neuigkeit erfuhr, machte er zwar einen langen Hals und guckte verdutzt, aber er fügte sich sogleich der Anordnung und in die kurze Trennung von der Braut.

In aller Stille verließ die Fürstin mit Gefolge das Jagdgut...

An einem frostklaren Wintermorgen mit glitzernder Pracht vereinigte in der kleinen Haller Kirche Pater Wilfrid das schöne, glückstrahlende Paar. Und der Trauung wohnte als Brautführer der neue alte Jagdherr Graf Lichtenberg bei, der in seinem Äußern und in der Steierertracht eher einem Jagdgehilfen gleich sah. Aber verflucht jaagerisch sah er aus, auf den ersten Blick erkennbar als echter Weidmann. Und was der Jagdherr nach beendigtem Gottesdienste zur kleinen Festgesellschaft sprach, klang kurz, schneidig und jaagerisch und kündete den Beginn einer neuen Ära: „Die Hauptsache in einem geordneten Jagdbetrieb ist die Pünktlichkeit! Auch zur Schonzeit und für eine Jagdleitersfrau! Jetzt ist es zehni, Punkt zwölf Uhr erscheinen das Brautpaar und alle Festgäste inklusive Pfarrer und Jaagerei in der Villa zum Essen! Alle sind meine Gäste! Daß mir keiner wegbleibt! Inzwischen kann jeder tun, was er mag, nur nicht ins Wirtshaus gehen und vorher essen und trinken; ich hab Sach genug im Haus! Und jetzt schauts, daß aussi kummts beim Loch! Auf Wiedersehen!“ Graf Lichtenberg nickte freundlich, ging aus der Sakristei, bestieg den Schlitten und fuhr in das verschneite, sonnenverklärte Halltal.

Die Hochrufe der freudig überraschten Jägerei klangen ihm nach. Als das Brautpaar am Forsthause vorfuhr, gab es ein großes Geguck, denn zwölf stämmige Treiberburschen und mehrere Leiterwagen harrten der Neuvermählten und begrüßten das Paar jauchzend und jodelnd.

Hartlieb fragte erstaunt, was denn das bedeuten solle.

Und die Antwort lautete: die Leute hätten Befehl, den Umzug des Oberförsters in die neue Wohnung durchzuführen, die Möbel in das Jagdschlößl zu bringen, wo das Paar von nun an wohnen werde.

Ein Jubelruf Martinas ertönte.