Viertes Kapitel
Mit unsicherem trüben Wetter, doch ohne Regen, begann der erste Tag des „Hofdienstes“ in der Bergeinsamkeit für Fräulein von Gussitsch. Wohlige Stille, göttliche Ruhe. Erquickend die würzige Waldluft. Des unsicheren Wetters glaubte Martina sich freuen zu sollen, denn ein Jagdgang dürfte unter diesen Umständen nicht befohlen werden. Wahrscheinlich nach dem mittäglichen Lunch ein mehrstündiges Vorlesen oder sonstiges Unterhaltungsmachen. Darauf war Martina gefaßt.
Gegen zehn Uhr überbrachte die rundliche hübsche Frau Hildegard Schoiswohl die Mitteilung, daß Durchlaucht soeben den Forstwart holen ließ und die Begleitung der Hofdame wünschen.
„Wird denn gejagt?“ fragte überrascht Martina.
Die Kammerfrau erklärte: „Anscheinend nicht, denn Durchlaucht tragen Straßentoilette! Baronesse wollen in einer halben Stunde bereit sein!“
Notgedrungen mußte Fräulein von Gussitsch nun doch die Frage wegen der Jagdkleidung mit der Kammerfrau besprechen und Hildegards Hilfe erbitten.
Der Triumph leuchtete aus den Augen der hochbefriedigten Kammerfrau, nun doch von der Hofdame um Rat und Hilfe gebeten zu werden. Frau Schoiswohl fühlte sich, und ziemlich selbstbewußt erklärte sie, daß die Angelegenheit rasch erledigt sein werde, wenn die Baronesse einen Lodenrock fußfrei kürzen und den dazugehörenden Pantalon fort large anfertigen lasse. „Das in kürzester Zeit zu machen, bin ich gern bereit! Ich bitte nur um den nötigen Stoff!“
„Sie sind sehr freundlich! Aber Stoff zu einem Jagdkostüm führe ich nicht mit! An die Beschaffung hätte ich in Wien denken sollen! Was machen wir nun? So eine Verlegenheit!“
Im Tone der Bemutterung sprach die Kammerfrau: „So wie ich Durchlaucht kenne, wird es mit der Jagdausübung keine Eile haben, das Hauptinteresse ist auf den Posteinlauf konzentriert! Sollte wider Erwarten eine Jagd befohlen werden, so gibt es schon Mittel und Wege zur Verhinderung! Baronesse lassen inzwischen von Wien oder Graz Lodenstoff kommen, und ich werde dann schneidern! Wenn Sie wünschen, schreibe ich und beauftrage eine Verwandte mit der raschen Besorgung!“