„Ja, bitte, besorgen Sie alles Nötige, selbstverständlich komme ich für alle Kosten auf!“

„Wird gemacht!“ Es klang etwas arrogant, als die Kammerfrau noch darauf aufmerksam machte, daß die Baronesse zur Begleitung keine helle Bluse tragen dürfe.

„Frau Schoiswohl! Ich muß bitten...“

„Verzeihung, Baronesse! Es ist nicht Anmaßung, nur gut gemeint, wenn ich rate, dunkle Kleider zu tragen; Durchlaucht werden einen Reviergang machen! Helle Kleider würden das Wild beunruhigen! Durchlaucht kleiden sich stets dunkel auf derlei Waldwanderungen, demnach...“

„Ich verstehe! Danke!“

Devot und doch arrogant grüßend, entfernte sich die Kammerfrau, die sich freute, die junge Hofdame in Verlegenheit und Abhängigkeit gebracht zu haben. Und etliche Silberlinge werden bei der Stoffbesorgung zu verdienen sein.

Ärgerlich grub Martina ihre Marderzähnchen in die Unterlippe, während sie die Bluse wechselte und sich zum Ausgang rüstete.

Es kam aber gar nicht zu dem Waldbummel. Da die Forstbeamten nicht zu Hause waren, änderte Fürstin Sophie ihre Absicht und befahl eine Spazierfahrt nach Hall und Weng zur Besichtigung dieser Dörfer und ihrer Kirchen. Fräulein von Gussitsch und der unvermeidliche Kammerdiener Norbert sollten mitfahren. Norbert, der immer Steierertracht trug und trotz seiner fünfzig Jahre und des grauen Schnauzbartes in diesem Kostüm wie ein Junger aussah, schien die Ausfahrt nicht zu passen. Prüfend hielt er die Hände flach in die Luft, guckte zum grauen Firmament empor und schüttelte den Kopf so bedenklich, daß der grüne Ausseer Hut wackelte.

Dieses Manöver wiederholte der fesche Kammerdiener so lange, bis richtig wie erhofft die Fürstin vom Fenster aus sein Gebaren wahrnahm und herunterrief: „Was ist’s, Norbert? Glaubst du, daß wir schlechtes Wetter bekommen?“

„Zu dienen, Durchlaucht! Grobwetter, fürchte ich! Mir tun nur die armen Pferde leid, wenn sie in einen Wolkenbruch geraten!“