Der im Jahre 1074 gegründeten, im Laufe der Jahrhunderte durch wissenschaftliche Tätigkeit hochberühmt gewordenen Benediktinerabtei, an die sich die Häuser des Marktfleckens Admont schmiegen wie Küchlein um die Mutterhenne, galt der Besuch der Fürstin Sophie von Schwarzenstein.
Im munteren Trabe eilte der fürstliche Wagen dem einzig schön gelegenen, imposanten, vornehme Ruhe kündenden Stifte zu. Im Fond saßen die Fürstin Sophie und das Hoffräulein von Gussitsch, beide in schwarze Seide gehüllt, auf dem Rücksitze Graf Thurn. Auf dem Bock neben dem Kutscher der unvermeidliche Norbert in der schmucken Steierertracht. Die Diener ganz Würde, schier spanische Grandezza.
Im Anblick der im Süden aufgetürmten Bergkolosse und des herrlichen Münsters vergaß die Fürstin der nagenden Sorgen, auftauend pries sie die Schönheit des Gotteshauses inmitten des entzückenden Geländes. Und Graf Thurn mußte rasch über die Geschichte des Stiftes einige Informationen geben. Marschallsaufgaben, auf die der gewandte Beamte sich ahnungsvoll vorbereitet hatte und deren er sich aalglatt entledigte. Und mit Eleganz verstand Graf Thurn das Interesse der Frau für einen Novizen des Stiftes zu erwecken, indem er erzählte, daß ein junger Kleriker mit Jägerblut in den Adern schwer ringe und kämpfe, um die Jagdleidenschaft zu bezwingen bis zum Tage der für das ganze Leben entscheidenden Profeßablegung.
Für einen Moment wich die Farbe aus dem Antlitz der Fürstin, die Wangen wurden kalkig, das Haupt sank um etliche Zoll tiefer wie in jäher Betroffenheit und weher Erinnerung. Doch sogleich richtete sie sich auf, eine leichte Röte schoß in die Wangen, und voll Interesse rief sie: „Was Sie sagen! Ein Novize, also ein eingekleideter Kleriker, von Jagdpassion erfüllt, Sohn eines Berufsjägers! Und für immer entsagen müssen! Den jungen Mann möchte ich kennenlernen, mit ihm sprechen! Bitte, veranlassen Sie, lieber Graf, das Weitere!“
Der Wagen rollte schnell die Hauptgasse des saubergehaltenen Marktfleckens entlang, die Bewohner grüßten respektvoll den – Kammerdiener.
Am Portal der Prälatur harrte Pater Wilfrid in seiner offiziellen Eigenschaft als Gastmeister des Stifts, neben ihm ein Klosterfrater, des hohen Gastes.
Bei der Anfahrt winkte Fürstin Sophie dem Pater huldvoll grüßend zu, ersichtlich in bester Stimmung. Und Wilfrid erwies Reverenz durch eine tadellose Verbeugung.
Ein Ruck, die Pferde standen mit schlagenden Flanken. Norbert flog vom Bock wie ein Blitz und riß den Schlag auf.
Die breite Steintreppe auf weichem Teppich hinansteigend, sprach die Fürstin von dem vorzüglichen Eindruck, den zunächst äußerlich das Münster wie die Stiftsgebäude hervorrufen.