Pater Wilfrid bat, es wolle Durchlaucht sich noch eine Treppe höher bemühen, an der Prälatur erwarten Seine Gnaden der Herr Abt den hohen Besuch.

„So feierlich? Wohl vorschriftsmäßige Empfangsetikette? Aber unnötig! Privater Besuch, diktiert von regstem Interesse, wobei eine gewisse Sympathie mitspielt, denn mein ‚Hofpfarrer‘ ist ja Admonter Stiftsherr!“

„Untertänigsten Dank, Durchlaucht, für so viel Huld und Gnade! Ganz nach Vorschrift kann sich der Empfang des hohen Gastes leider nicht vollziehen, da unser Prior verreist ist, also nicht zur Reverenzerweisung erscheinen kann! Alles übrige im Programm wird hoffentlich klappen!“

„Was? Ein ganzes Programm? Mea culpa, ich hätte besser getan, den Besuch nicht anzukündigen, die Stiftsherren zu überrumpeln, um das Vergnügen einer ‚sweet disorder‘ genießen zu können!“

„Es ist keineswegs ausgeschlossen, daß Durchlaucht trotz der Besuchsansage dieses ‚Vergnügen‘ dennoch teilhaft werden können, denn unsere Camerieri sind nicht höfisch geschult, ils travaillent pour le bon Dieu und – entbehren der Grazie!“ Wilfrid spitzte den Mund, als wollte er Honig schlürfen, und blinzelte dazu.

Kichernd ging Sophie auf den Scherz ein und rief: „Milch geben, viel Milch den Leuten!“

Der Fürstin folgten Graf Thurn und Fräulein von Gussitsch. Der Hausmarschall flüsterte: „Gottlob, die Stimmung ist vortrefflich!“

An der zur Prälatur führenden Flügeltüre stand die hohe Gestalt des Abtes Beda. Ein Vierziger im Galahabit, auf der Brust die goldene Kette des Summus Abbas. Schlanke Eleganz der Erscheinung, Würde und Noblesse, durchgeistigt die Gesichtszüge, Ruhe und Milde im Blick. Die feine, hohe Gestalt gleichsam umweht von Höflichkeit und Toleranz. Ein Idealpriester, von Liebe, Vertrauen und Hochachtung der Mitbrüder im Konvent erkoren und erwählt zur höchsten Würde, die das Kapitel zu vergeben hat. Primus inter pares. Mit weltmännischer Ehrerbietung begrüßte Abt Beda die Fürstin und hieß sie unter Dankesversicherungen für den auszeichnenden Besuch willkommen.

Den Begleitern wurde eine höfische Verbeugung gewidmet, indessen Sophie den Grafen Thurn und ihre Hofdame vorstellte.

Die erste Besichtigung galt der berühmten Bibliothek, einer Sammlung von 80000 Bänden, von über 1100 Handschriftenbänden und fast 1000 Inkunabeln.