„Wie? Wein?“ rief die Fürstin überrascht, „Pater Wilfrid behauptet doch, daß die Stiftsherren auf Grazie und Geist halten, also – Milch trinken und sich von Eiern nähren!“
„Ganz richtig! Tun wir auch – zuweilen! Den hohen Gästen reichen wir aber Wein trinkbarer Sorte aus unseren Weingärten!“
Ein Frater servierte kalten Aufschnitt und Schinken in einer auffallenden Befangenheit, und zwar nur den Damen.
Die Stiftsherren saßen zwar am Tische, nahmen aber nichts zu sich, da just an diesem Tage das Gebot: jejunium, Enthaltsamkeit, nur einmalige Sättigung, zu befolgen war, ein Gebot, das sich selbstverständlich nicht auf die Klostergäste erstreckt. Pater Wilfrid, als Mann von Takt, bemühte sich, durch ein Gespräch zu verhüten, daß die Fürstin auf diese pflichtgemäße Enthaltsamkeit der Klosterangehörigen aufmerksam werde. Er sprach von jener ‚sweet disorder‘, jener „süßen Unordnung“, die stets dann eintrete, wenn hoher Besuch im Hause weile, da die Domestiken sich mit Vorliebe zu – drücken pflegen. „Auch heute ist es der Fall! Ich muß daher inständig um Entschuldigung bitten, daß ein im Servierdienst ungeschulter Frater die hohen Gäste in wenig genügender Weise bedient!“
„Aber nein! Der Frater macht seine Sache ganz vortrefflich!“ Und nun gewahrte die Fürstin die Enthaltsamkeit der Herren. „Warum greifen denn die hochwürdigen Herren nicht zu? Frater, servieren Sie, bitte, den Stiftsherren!“
Nun war doch eingetreten, was Pater Wilfrid hatte verhüten wollen. Und die Verlegenheit machte der Frater vollständig, als er der Fürstin wichtigtuend zuflüsterte: „Wir haben jejunium!“
„Was haben Sie?“
„Fasttag haben wir!“ platzte der Klosterbruder heraus. Ein Wink des Abtes veranlaßte den Pechvogel, schleunigst zu verschwinden.
Die Fürstin erhob sich, dankte für die liebenswürdige Bewirtung und bat um den Wagen.
Unter Beachtung des üblichen Zeremoniells vollzog sich die Verabschiedung.