Schon zogen die Pferde an, da ließ die Fürstin anhalten und bat den Gastmeister, dafür zu sorgen, daß jener Frater nicht – bestraft werde. „Milde üben, ja!“
„Zu Befehl, Durchlaucht! Ich werde es dem Herrn Abte melden!“
„Vielen Dank! Auf baldiges Wiedersehen!“
Nun rollte der Wagen über den Hof und bog in die Hauptstraße ein. Norbert auf dem Bock drehte sich um und meldete der Gebieterin, daß er die Post bereits geholt habe. Wissend, wie sehnsüchtig Durchlaucht einen Brief aus Dresden erwartete, griff Norbert in die Tasche, um den Brief zu überreichen.
Mit einer leichten Handbewegung wehrte die Fürstin ab. Wunderbar wußte diese Frau sich zu beherrschen. Aber auch Norbert wußte, was er zu tun hatte. Zum Kutscher sagte er: „Schnell fahren!“
Hinter der Ennsbrücke wurde ein rasendes Tempo genommen, eine wilde Jagd begann, die ein Sprechen der Wageninsassen unmöglich machte.
Sophie hatte aber gar nicht die Absicht, zu sprechen. Mit geschlossenen Augen, bleich vor Erwartung, saß sie im Wagen und ließ sich rütteln und stoßen.
Fräulein von Gussitsch klammerte sich mit beiden Händen an den Rand des Wagenschlages, um nicht an die Fürstin geschleudert zu werden. Den Zweck dieser tollen, rasenden Fahrt: die Zeitverkürzung, begriff sie. Aber lebensgefährlich war diese Ersparnis weniger Minuten doch.
Martina atmete auf, als der Wagen vor der Villa hielt.