Die Abwesenheit der Gattin zur Mittagszeit war auch nicht geeignet, die üble Laune Benis zu bessern. Blieb ihm nichts anderes übrig, als selbst zu kochen: Spiegeleier und Salat dazu. Mehr von der Kochkunst war nicht sein eigen.

Vergeblich fragte er sich, was denn zur Mittagszeit um Himmels willen Amanda auswärts zu tun haben könne. Mehrmals war die Gattin schon abwesend. Eine auffallende Pflichtvernachlässigung und Rücksichtslosigkeit!

Lange konnte sich Gnugesser derlei Fragen nicht hingeben; er mußte nach Tisch wieder in den nimmerruhenden Dienst.

Zum Abend war Amanda allerdings zu Hause, das schlecht gekochte Essen bereit; die Gattin war aber nicht geneigt, Aufschlüsse über ihre Abwesenheit zu geben. Da sie indes versicherte, sich unlieb verspätet zu haben und just heimgekommen zu sein, wie Beni nach Tisch in das Revier ging, ließ sich der herzensgute Mann leicht beschwichtigen.

Leicht gelang der Gattin der Themawechsel durch die Frage, was es Neues in den Revieren gäbe.

Bei Gnugesser war indes der Ärger schon verraucht; vor Amanda wollte er nicht über die Fürstin reden, schimpfen erst recht nicht. Ein einzig und winzig Würmchen nagte allerdings noch gar emsig in der Brust: der Neid! Den Beamten bleibt ein Abschuß versagt, der Theologe hingegen darf Gams nach Herzenslust niederknallen. Beni war gar nicht leidenschaftlicher Jäger, ganz frei von Schießwut; wegen der Abschußerlaubnis beneidete er den Theologen aber doch, den er, der fromme, kirchenfreundliche Beamte, in allergeheimsten Gedanken einen „Schleicher“ und „Kittelpfaffen“ genannt hatte. Denn es war doch gar nicht zu bezweifeln, daß der Theologe die Abschußerlaubnis „erschlichen“ haben mußte. Kittelprotektion! Weiberwirtschaft im Revier!

„Friert dich in der Zung, weil ich keine Antwort auf meine Frage bekomm?“ klang es spitz von den Lippen Amandas.

Gutmütig lachte Beni: „Nein, nein! Ist ja Sommer! Nur Gedanken hab’ ich mir gemacht, weil – na, ist Dienstsache, also Amtsgeheimnis! Neues gibt es nichts! Nicht einmal Bescheid haben wir wegen der definitiven Übernahme beim alten Gehalt!“

Schnippisch warf Amanda das Wort „Amtsgeheimnis“ hin. „Lächerlich das Verschanzen hinter das Dienstgeheimnis, wo doch eine Frau regiert und dirigiert! Da werden die Amtsgeheimnisse strengstens gewahrt bleiben! Übrigens: was das Gehalt anbelangt, muß unbedingt eine Aufbesserung eintreten!“