„Die Leichenbittermiene steht dir ausgezeichnet, nur mußt ein schwarzes Seidenkleid dazu anziehen!“ spottete der belustigte Ehemann.
„Hör zu und paß auf, Beni! Es ist heiliger Ernst! Das neue Gesetz bestimmt, daß den Ehefrauen für ihre Arbeit im Hausstand ein Drittel des Gehalts oder Jahreseinkommens des Ehemannes ausgezahlt werden muß! Von Rechts wegen! Gesetz ist Gesetz, es muß befolgt werden von jedem Staatsangehörigen!“
„Ganz ausgezeichnet! Den Witz schick an die ‚Fliegenden Blätter‘, er wird sicher angenommen und honoriert! Weißt was, Weiberl, für das Honorar kaufen wir uns dann im Admonter Stiftskeller ein Flascherl ‚Eisentürer‘!“
„Wer nicht hören will, muß fühlen! Der Ernst des neuen Gesetzes wird dich schon zwicken! Ohne Gehaltsaufbesserung, also nach deinem jetzigen Einkommen, gebührt mir ein Jahreslohn von sechshundert Kronen für meine Hausfrauenarbeit! Diese Summe verlange ich! Und kraft des neuen Gesetzes bestehe ich auf Bezahlung dieser Summe! Und im Weigerungsfalle werde ich dich, wozu ich gesetzlich berechtigt bin, vor Gericht belangen!“
Beni schrie vor Vergnügen, trommelte mit den Fäusten auf der Tischplatte, und im Übermaß der Freude an dem köstlichen Witz begann er in Schlappschuhen zu schuhplatteln, ahmte die Bewegungen des balzenden Urhahnes nach und wollte die Gattin animieren, sich am „Platteln“ zu beteiligen.
Amanda in höchster Entrüstung versetzte dem seelenvergnügten, lachenden Gatten einen Stoß, der Beni ins Torkeln brachte, dann aber rauschte Amanda aus der Stube. Krachend flog die Tür ins Schloß.
In herrlichster Laune pfiff Benjamin die lustige Melodie des „Schuhplattlers“ zu Ende. Und dann holte er sich wirklich ein Fläschle Bier aus dem Keller, um den Witz und das famose neue Gesetz zu begießen. Allein allerdings, denn Amanda ließ sich für diesen Abend nicht mehr sehen.
Merkwürdig – mit einem Male wollte dem einsamen Zecher das Bier nicht mehr schmecken. Wenn Amanda keinen Witz gemacht haben sollte, wenn wirklich ein neues Gesetz bestünde?
„Unmöglich!“ knurrte Beni, dem das Lachen vergangen war. „Es sind die unglaublichsten Gesetze schon gemacht und sanktioniert worden, aber noch nie ein Gesetz, wonach die Ehefrau wie eine Dienstmagd einen Lohn für ihre Arbeit im Hausstande bekommen solle. Ein solches Gesetz kann doch gar nicht gemacht werden! Undenkbar! Durch eine derartige Lohnzahlung würde die Hausfrau ja zur Dienstmagd herabgedrückt, jeder Würde beraubt werden! Ein verrücktes Gesetz wäre das! Und gleich ein Drittel des Jahresgehaltes oder Einkommens! Wer kann denn das leisten und erschwingen? Die Subalternbeamten mit ihrem winzigen Gehalt! Die Gewerbetreibenden! Die Bauern!“
Je länger Benjamin über das neue Gesetz nachdachte, desto schwüler wurde ihm trotz der Abendkühle, die durch die offenstehenden Fenster in die Stube drang. Ganze zwölfhundert Kronen vom Gehalt würden nach Abzug des „gesetzlichen“ Lohndrittels verbleiben für den Haushalt, für alle Bedürfnisse des Lebens, für Kleider, Schuhe usw. Unmöglich ein Auskommen mit einer so winzigen Summe! So unsinnig und grausam kann doch eine Regierung nicht sein, die schlechtbesoldeten Ehemänner zu zwingen, der Gattin ein Drittel des Jahresgehaltes auszuzahlen.