Erstaunt und interessiert rief die Fürstin: „Was Sie sagen! Von einem solchen Gesetz habe ich bisher keine Ahnung gehabt!“ Und zu Fräulein von Gussitsch gewendet, fragte Fürstin Sophie: „Wissen Sie, liebe Gussitsch, etwas von diesem sehr interessanten und wichtigen Gesetze?“
Martina mußte gestehen, daß sie bisher nicht das geringste davon gelesen und auch nichts gehört habe.
Amanda sprach hastig: „Doch! Die Zeitungen beschäftigen sich angelegentlich mit dieser Frage der Entlohnung der Frau im Hausstand! Ich habe derlei Artikel ja selbst und so oft gelesen, daß ich hierüber sehr gut informiert bin und auch darüber sprechen kann! Durch das neue Gesetz, durch positive Rechtsnorm, ist ein Ziel erreicht, das angesehene Frauen längst erstrebt hatten und das doch wohl als durchaus berechtigt und den modernen Verhältnissen entsprechend anerkannt werden muß!“
„Gewiß! Sagen Sie, liebe Frau, welche Stellung haben Sie vor Ihrer Verheiratung innegehabt? Sie verfügen augenscheinlich über eine Vorbildung, die sonst in Kreisen kleiner Beamter nicht zu finden ist!“
„Ich war früher Lehrerin!“
„Ach so! Das macht Ihre Stellungnahme zu dieser interessanten Frage begreiflich! Was ich aber nicht verstehe, ist die Entstehung eines in seinen Wirkungen so einschneidenden Gesetzes. Es wird doch über Kleinigkeiten oft ganz schrecklich debattiert und Lärm geschlagen!“
„Höchste Herrschaften werden von diesem Gesetze nicht betroffen, also ist es leicht möglich, daß Durchlaucht sich um dasselbe nicht gekümmert, das Gesetz sozusagen übersehen haben! Die Interessen- und Gedankensphäre einer Fürstin ist doch eine ganz andere, als die einer Forstwartfrau oder Bäuerin oder Ehefrau eines Gewerbetreibenden!“
„Allerdings!“ Zur Hofdame sprach die Fürstin: „Bitte, liebe Gussitsch, behalten Sie diese Angelegenheit im Auge und beschaffen Sie baldmöglichst das betreffende Gesetz!“
Martina verbeugte sich.
Dann wandte sich die Fürstin wieder zu Amanda mit der Frage: „Wie gedenken Sie auf Grund dieses interessanten Gesetzes in Ihrem Hauswesen vorzugehen?“