Ein Weilchen hatte Fürstin Sophie mit Martina geplaudert, Fragen gestellt und sie selbst beantwortet, bevor das Hoffräulein die Lippen öffnete. Dann wandte sich die Fürstin mit einem liebenswürdigen Lächeln an den Oberförster und fragte ihn im Tone köstlicher Naivität: „Sagen Sie mal, lieber Hartlieb, was wird denn bei der jetzigen Art des Jagdbetriebes eigentlich aus den – Rehwitwen und aus den alten Rehjungfern? Es werden ja doch immer nur Rehböcke geschossen! Wer sorgt für die – Reh-Relikten?“
Hartliebs Blick kündete Verblüffung; der Oberförster war paff. Und auf der Zunge lag sehr locker ein Ausruf gelinden Entsetzens, ein Hilferuf des konsternierten Weidmannes zum St. Hubertus.
Zum rettenden Engel aus dieser Verlegenheit Hartliebs wurde Martina, die in diesem Moment lachte und ihre schimmernden Marderzähnchen zeigte.
Dieses erquickend frische Lachen ermöglichte es dem Jagdbeamten, den Ausruf ungesprochen hinabzuschlucken, die verblüffende naive Frage der Fürstin im Scherztone dahin zu beantworten, daß der Schöpfer dem Leben der „Rehwitwen“ und alten „Rehjungfern“ mit dem fünfzehnten Jahre ein natürliches Ziel und Ende gesetzt habe, so nicht durch Krankheiten diese „Relikten“ früher verenden. Eine Verschiebung des Geschlechtsmischungsverhältnisses zwinge übrigens auch beim Rehwild zum Abschuß überzähliger Geißen und Gelttiere.
„Ach Gott! Nun kommt der schreckliche Mensch schon wieder mit den ‚Geschlechtsmischungsverhältnissen‘! An sich schon eine gräßliche Worthäufung, gleich drei Hauptwörter aneinander gehängt und grausam verquickt! Hat die Weidmannsprache, die ich wohl nie werde erlernen können, noch mehr solcher Wortungetüme und Ungeheuer?“
Ehe Hartlieb antworten konnte, wandte sich die Fürstin aber schon wieder an das Hoffräulein mit der Bemerkung, daß vergessen worden sei, den Pfarrer wegen des Requiems zu interpellieren, zu fragen, ob diese Angelegenheit in Ordnung sei.
Martina versicherte, daß sie befehlsgemäß dem Pater Wilfrid geschrieben habe und somit wohl auf prompte Erledigung gerechnet werden dürfe.
„Schicken Sie den Norbert zum Pfarrer! Ich will bestimmten Bescheid erhalten! – Na, da sind wir ja schon am Forsthause! Apropos: Schicken Sie mir morgen den Jäger Eichkitz zum Rapport! Auf Wiedersehen, Herr Oberförster!“
Hartlieb verabschiedete sich. Ein warmer Blick inniger Sympathie flog zum Mustela-Fräulein...