Nun wurde Pater Wilfrid ob dieser Übereinstimmung der Anliegen doch stutzig. Er fragte, ob Anzeichen vorliegen, daß die Bäuerin vielleicht aufgehetzt worden sei. Ingrimmig berichtete der Bauer, daß vor einiger Zeit die Frau des Forstwarts öfter im Gehöft erschienen sei, eifrig mit der Bäuerin getuschelt und verhandelt habe, worauf das Eheweib sehr scharf geworden sei. „Sagen S’ nur gleich, Herr Pfarrer, was ich machen soll! Därf ich das hantige Weib verhauen? Und was ist das für ein ‚Gesetz‘, von dem die Bäuerin behauptet, daß ich fürder blechen muß, was Zeug haltet?“

„Gedulde dich bis zum nächsten Sonntag! Ich werde mich inzwischen erkundigen! Von einem Gesetz, das die Hausarbeit der Ehefrau entlohnt, weiß ich einstweilen nichts! Glaub auch nicht, daß es bei uns ein solches Gesetz gibt!“

„So? Nicht? Na, freu dich, Alte! Ihr werd ich das Hühnerverkaufen hinter meinem Rücken schon austreiben mit’m Haslinger!“

„Warte mit dem – Haslinger bis zum nächsten Sonntag! Aufs Wiederschauen!“

Insofern die übrigen Besucher verheiratet waren, hatten sie alle das gleiche Anliegen und den Wunsch, bezüglich des neuen Gesetzes informiert zu werden. Auch der Dorfkrämer, der davon sprach, daß er die Hölle auf Erden habe, seit die Frau Gnugesser in seinem Hause verkehre und sein Weib zur Freundin und Vertrauten erkürt habe. Auch andere Weiber kommen häufig und halten Sitzungen ab, als wenn der Kramerladen ein Weiberparlament wäre.

„Ausstampern!“ meinte anzüglich Pater Wilfrid und schmunzelte dazu.

„Hat sich was mit dem Ausstampern! Hasen und Katzelen kann man stampern, nicht aber Weiberleut, wenn die Weibets – bleiben wollen! Einmal hab ich das Stampern probiert, ein zweites Mal tue ich es nicht wieder! Eine Watschen hab ich erwischt, die ist nicht von schwacher Hand gewesen! Und was mich wurmt: ich weiß nicht von wem! Kann sein, daß es die Kramerin gewesen ist, es kann aber auch sein, daß ein Bauernweib mir die Watschen runtergewischt hat! Jedenfalls ist keine christliche Demut im Spiel gewesen! Drum bin ich der Meinung, daß Hochwürden Herr Pfarrer auf der Kanzel loswettern sollten gegen die Malefizweiber, die rebellisch worden sind! Aber, bitt schön, ausgiebig loswettern, gesalzen und gepfeffert, ganz sakrisch, auf daß den Revoluzzerinnen Hören und Sehen vergeht und die Augen tropfen!“

„Wird schon zur rechten Zeit geschehen!“ Einer Regung folgend, riß Pater Wilfrid rasch die Türe auf. Richtig kniete die Dienerin vor dem Schlüsselloch. Heillose Bestürzung. Wie ein begossener Pudel sprang die Witwe Erna auf, und krebsrot im verhutzelten Gesicht hastete sie davon.

Der Krämer rieb sich schadenfroh die Hände und freute sich mächtig. Und lachend verließ er das Pfarrhaus.