Spätabends erreichten die durchnäßten Förster die einsame Hütte, die gleichfalls einen neuen Anbau für Damen aufwies. Wider Erwarten war die Million-Hütte verschlossen, der Hausmarschall der Fürstin Sophie von Schwarzenstein, Graf Thurn-Valsassina von Villalta und Spessa, mit dem Jäger Xandl noch nicht angekommen.
Dienstwillig suchte Gnugesser den Hüttenschlüssel in der Holzschicht an der Seitenwand der alten Hütte und schloß auf. Kalte Luft wehte entgegen. „Wird gleich warm werden!“ rief der Forstwart, der schnell Gewehr und Rucksack ablegte und im Sparherd Feuer anzündete. Dann holte er vom nahen Brünnlein Wasser herbei und stellte es in einem Topf darauf. Hartlieb entnahm seinem Rucksack zwei kleine Konservenbüchsen mit Gulasch, eine Flasche Bier und Brot.
Als das Wasser zischte und brodelte, wurden die Konservenbüchsen in den Topf gelegt. Wenige Minuten später war die Kocharbeit beendet. Mit einer Blechschere öffnete Hartlieb die Büchsen, denen ein würziger Duft entstieg.
Gnugesser schnupperte wohl wie ein windender Jagdhund, lehnte aber die Einladung zum Mitessen dankend ab und begnügte sich mit dem mitgeführten Stück Speck und Schwarzbrot.
„Wie Sie wollen! Mögen Sie Gulasch nicht?“ fragte Hartlieb.
„Schon, aber nur in der Nähe von einem Wirtshaus!“
„Ach so! Von wegen dem Durst, den der Paprika erzeugt? Na, in Konserven ist nur sehr schwacher Paprika enthalten, und zum Durstlöschen gibt es ja Wasser genug! Ich werde die zweite Portion für den Grafen aufbewahren, falls er keinen Proviant bei sich haben sollte!“
An seinem Speck kauend, richtete Gnugesser im Heuboden oberhalb des Herdraumes ein Lager zur Nachtruhe her. Dann kehrte er in das Wohn- und Kochstübchen zurück und fragte, ob er, da der Graf wahrscheinlich nicht kommen werde, heimgehen dürfe.
Ironisch fragte Hartlieb: „Treibt Sie denn sehnsüchtige Liebe nach Hause?“