„Ich bitt, Herr Oberförster! Wo ich doch schon zwei Jahr verheiratet bin! Ich hab nur gemeint, Sie benötigen mich nicht für Abend und Nacht!“
„Ich allerdings nicht! Kommt der Graf doch noch, so könnte es sein, daß er Sie morgen um die Führung bitten will! Kommt er heute nimmer, so hätte Ihre Anwesenheit allerdings keinen Zweck!“
„Will denn der Graf pirschen auf Hirsche? Bei diesem Wetter wird er keinen Wedel äugen können! Was will er sonst heroben?“
„Weiß ich nicht! Vielleicht nur ein Inspektionsgang, Kontrolle, ob alle Jagdhütten den Damen-Anbau vorschriftsmäßig erhalten haben!“
„Ist g’spaßig, daß unser Jagdbetrieb nun – verweiblicht werden soll! Ein Frauenzimmer als – Jagdherr! Ich kann mir nicht denken, wie das geht! Die Jaager stecken auch die Köpf zusammen und tuscheln darüber!“
Hartlieb trat vor die Hütte, lauschte, kehrte zurück und stellte es Gnugesser frei, nach Hause zu gehen.
Die Gelegenheit, über die neuen Verhältnisse mit dem Vorgesetzten zu sprechen, wollte der Forstwart nun doch nützen. Er steckte die kleine Petroleumlampe an, schloß die Fensterläden und bat, Gesellschaft leisten zu dürfen.
„Aber die teure Gattin?“
„Wird nicht sterben, wenn ich über Nacht ausbleibe! Dergleichen kommt ja öfter vor in unserem Beruf! Mit Verlaub, glauben Sie, Herr Oberförster, daß wir mit gleichem Gehalt übernommen werden? Hat der Hausmarschall darüber nichts gesagt?“
„Bis jetzt keine Silbe! Ich denke, die Käuferin des Jagdgutes wird froh sein, tüchtiges und geschultes Personal übernehmen zu können!“