„Wohl, wohl! Was aber, wenn das Gehalt etwas reduziert würde? Das wär für uns doch recht bitter! Für die verheirateten Beamten nämlich! Sie, Herr Oberförster, brauchen als lediger Mann sich da weniger zu sorgen...“
„Verbürgen kann ich nichts! Beruhigen Sie sich nur! Wegen der Löhne und Gehälter muß ich ja gefragt werden, und ich werde selbstverständlich dafür eintreten, daß in dieser Beziehung alles beim alten bleibt!“
Gnugesser lächelte und glättete seinen fuchsigen Patriarchenbart, nun ihm der größte Stein der Sorge von der Brust fiel. Und zutraulich meinte er: „Noch schöner tät es sein, wenn Sie, Herr Oberförster, eine Gehaltsaufbesserung durchsetzen könnten! Für mich gleich nur zweihundert Kroneln, eine Wohltat wäre das für meine Verhältnisse!“
„Mit einer Aufbesserung darf man der Fürstin bei der Übernahme des Besitzes nicht kommen! Um so weniger, als sie teuer, zu teuer gekauft hat!“
„So? Hätt sie doch die Finger davon gelassen! Wenn man denkt: Auf den Jagdherrn Grafen Lichtenberg, der freilich nur Pächter war, ein Frauenzimmer als Gebieterin in Jagdangelegenheiten – – der Magen könnt sich umdrehen! Jagdlicher Damenbetrieb! Unmöglich, nicht auszudenken!“
Hartlieb streifte die Asche von seiner Zigarre und wollte dem Forstwart eben raten, das Zünglein zu hüten, da wurden Schritte laut, die sich der Hütte näherten.
Gnugesser stand auf und eilte hinaus.
Auch der Oberförster erhob sich und öffnete die Türe, damit die Angekommenen etwas Licht zur Orientierung haben sollten.
„Guten Abend!“ grüßte eine hohe schlanke Gestalt in dunklem Lodengewande. Graf Thurn-Valsassina, der weißhaarige Hausmarschall und Hofchef, reichte den Beamten die Hand und entschuldigte das arg verspätete Erscheinen mit dem Hinweise auf das Unwetter, das zu unfreiwilligem Aufenthalt in der Griesweber-Hochalm gezwungen hatte.
Hartlieb bat den Grafen, in die warme Stube einzutreten und vorliebzunehmen mit dem Wenigen, was geboten werden könne.