„Das ist eine andere Wurscht! Befohlen, na gut! Wundert mich aber, weil so früh die Fürstin sonst niemand empfängt!“

Pfauenstolz meinte der schmucke Jäger: „Mich schon! Ausdrücklich auf Neuni befohlen, aufzuwarten!“

Norbert verschwand. Und alsbald kam er wieder, um zu melden, daß der Herr aus dem Stift warten möge, bis der Jäger Eichkitz Bericht erstattet habe.

„Danke, Herr! Ich werde geduldig warten!“ erwiderte Nonnosus in unveränderter Haltung, auf seinen Bergstock gestützt.

Eichkitz legte im Flur Büchsflinte und Bergstock ab; mit dem Hirschfänger an der Linken und mit dem Hütl in der Rechten stapfte er hinauf. Und im Zirbensalon wartete er. Ziemlich lange währte es, bis die Fürstin erschien.

Der unvermutete Anblick überraschte ihn; denn noch nie im Leben hatte er eine Dame im – Jagdkleid gesehen.

Sophie trug eine dunkelgraue Bluse aus Rohseide, darüber eine kokette Lodenjacke, fußfrei kurz der grüne Lodenrock, Hosen von gleichem Stoff, zierliche, bis zu den Knöcheln reichende Lederschuhe, die notdürftig genagelt waren. Auf dem Kopfe saß ein dunkelgrüner Ausseer Hut, geschmückt mit hellgrünem Seidenband und einem Gamsbart. Für einige Sekunden verblüffte den Jäger Eichkitz diese Erscheinung, besonders die Plastik der üppigen Büste und die ungewohnte Kleidung. Doch rasch fand der junge Jäger und Weiberkenner heraus, daß dieses schneidige Kostüm und die grüne Farbe wohl für ein hübsches junges Mädel passe, keineswegs aber für eine Fünfzigerin. Mit vortrefflicher Selbstbeherrschung unterdrückte er den Lachkitzel, den diese Kleidung in ihm geweckt hatte. Eichkitz verbeugte sich und stammelte: „Gnädig Duhrlauch haben befohlen! Ich melde mich gehorsamst zur Stelle!“

Lächelnd musterte die Fürstin den bildhübschen Burschen und lobte sein pünktliches Erscheinen. „Ich möchte von Ihnen hören, ob wir wirklich zuviel Gelttiere in den Hirschrevieren haben! Viel zuviel Kahlwild angeblich!“

Die besondere Betonung des Wörtchens „angeblich“ fing der schlaue Bursche sofort auf, er war willens, sich ganz nach der Gebieterin zu richten und ihr zu Gefallen zu reden. Deshalb meinte er: „Ist nicht so gefährlich!“