Dann wanderte Eichkitz gemächlich zum Jagdschlößl, wo unter der Dienerschaft eine ameisenhafte Regsamkeit herrschte infolge des überraschenden Befehles zu verfrühtem Aufbruche.
Im Zirbensalon unterhielt sich Fürstin Sophie mit dem bleichen Theologen im schlotternden Steierergewand. Der junge Mann mit seinen tiefen, leidenschaftlich flammenden Augen, sein demütiges Wesen, sein Seelenkampf wie seine Zukunft, all das interessierte die Frau in besonderem Maße. Etwas ganz Neues im Einerlei der Bergeinsamkeit! Dazu der prickelnde Nervenreiz für das bevorstehende Experiment auf psychischem Gebiete: Wird des Novizen glühende Jagdleidenschaft durch die Jagdleidenschaft erst recht auflohen zu versengender Flamme oder infolge gesättigter Gier erlöschen?
Zunächst fesselte die Fürstin die Art, wie Nonnosus in Dankbarkeit des Abtes gedachte, der ihm das Studium ermöglichte und in vollendeter Vornehmheit seines hohen Amtes so ganz anders walte, denn sonst anderswo die Seminarvorsteher.
„Wieso denn?“ fragte die Fürstin.
„Durch Grundsätze und Anleitungen für die jungen Theologen! So dringt unser Summus Abbas auf Selbstbildung und Selbstzucht! Wir müssen erst selber Pädagogen werden, meint der Abt, dann können wir auch andere bilden! Duckmäuser, Frömmler wünscht man im Stifte nicht!“
„Wie denkt man im Stifte wohl über die Beziehungen der Theologen zur Frauenwelt?“ Ein forschender Blick flog zum Novizen.
Ruhig erwiderte Nonnosus: „Wir haben Anstandskurse im Kloster behufs Beseitigung von Schüchternheit und Unbeholfenheit, Erzielung eines gesetzten und sicheren Auftretens! Noblesse im Verkehr mit Frauen wird gefordert! Entgegen dem anderswo üblichen Gebote, daß Kleriker Frauen kaum die Hand reichen dürfen, lehrt man uns im Stifte, daß Frauen auch Menschen seien, und daß Leute mit übertriebener Prüderie leicht und häufig in das Gegenteil umschlagen! Unser Abt verurteilt die totale Abschließung der Theologen von der Welt...!“
„Stimmt! Was denken Sie über den Hochmut?“
„Im Stifte lehrt man uns, daß der Priesterberuf ein hehres Amt, die Priesterwürde hochzuhalten sei; aber die jungen Priester sollen und dürfen sich nicht einbilden, infolge der Würde Menschen höherer Art oder gar unfehlbar zu sein! Aus solchen üblen Auffassungen erwachsen Hochmut und Unverträglichkeit!“