„Freuen Sie sich schon auf die Tage frohen Weidwerkes?“ Die Frage warf den Theologen im Nu aus dem seelischen Gleichgewichte; Nonnosus verlor die Herrschaft über sich, die Augen flackerten, das Blut schoß in die Wangen, tobte in den Schläfen und machte fast schwindelig. Begeisterung und Leidenschaft leuchtete aus den tiefen Augen, verklärte das bleiche, scharfgeschnittene Gesicht. Wie weggeweht war in diesem Moment der asketische Ausdruck.
„Sie dürfen, so Sie guten Anlauf haben, Gamsböcke schießen und von Hirschen, was Sie mit sicherem Schuß bekommen können! Weibliches Wild muß geschont bleiben!“
Wie verhaltenes Jauchzen klangen die Worte: „Vergelt’s Gott vieltausendmal für die große, große Freud!“
„Schon gut, junger Freund! Schnappen Sie nur nicht über!“ Und in jäher Erinnerung an ihren Sohn, der so gar kein Jagdinteresse besitzt, verstummte die Fürstin, und ihre Gesichtszüge verfinsterten sich. Schatten des Schmerzes lagen auf den leise zuckenden Lippen. Doch rasch überwand sie sich und rief nach der Kammerfrau, die beauftragt wurde, für ein Gabelfrühstück für den Theologen zu sorgen.
Hildegard nahm den schier taumelnden Nonnosus mit.
Eine Stunde später wurde der Marsch zur hochgelegenen Pyrgas-Hütte angetreten. Als Führer an der Spitze pfauenstolz, wie ein Triumphator der Jäger Eichkitz. In einem Abstand von etwa acht Schritten folgten die Fürstin und Martina von Gussitsch, die gleich der Gebieterin auch ein Jagdkleid trug. Mit dem Unterschiede, daß dem jungen zierlichen Fräulein diese einfache Kleidung entzückend stand. Hinterdrein stapfte Nonnosus etwas unsicher, des Steigens nicht mehr gewöhnt, vom Jagdfieber durchrüttelt, mit heißen, lodernden Augen.
Mürrisch folgte Herr Norbert mit dem leichten Kugelstutzen der Gebieterin und dem Wettermäntelchen.
Frau Hildegard trug ein kleines Köfferchen und war auffallend guter Laune. Die dralle Kammerfrau freute sich mächtig, auf der Pyrgas-Hütte den Oberförster Hartlieb zu treffen, den sie – ohne sein Wissen – in ihr Witibherz eingeschlossen hatte. Nicht mehr und nicht weniger als Frau Oberförster wollte Hildegard werden, den Namen Schoiswohl mit Hartlieb vertauschen, an der Seite des Jagdoberbeamten so glücklich als möglich werden. Einstweilen hieß es freilich vorsichtig und zu Hartlieb liebenswürdig sein... Drei Diener schleppten Decken, dickgefüllte Rucksäcke mit Konserven usw.
Den Beschluß der Karawane bildete ein von einem Pferde gezogenes Schlapfenwägelchen, geleitet vom höchst verdrossenen Leibkutscher, der ob dieser Dienstesdegradierung empört war. Wenn etwas sein umdüstertes Gemüt trösten und aufhellen konnte, war es der Umstand, daß die Kiste auf dem Wägelchen viele gute eßbare Sachen, Bier und Wein in vielen Flaschen enthielt. Auf Anordnung Norberts, der nie das leibliche Wohl bei derlei Expeditionen vergaß und mit längerem Aufenthalte zu rechnen pflegte nach dem bewährten Grundsatz: lieber zuviel mitnehmen als zuwenig. Demgemäß konnte die fürstliche Freßkiste gar nicht groß genug sein.