Ehrgeiz und allerlei Hoffnungen hatten den Führer Eichkitz veranlaßt, ein Eiltempo anzuschlagen, das auf Dauer wohl der geübte Hochgebirgsjäger einhalten konnte, selbst im steilen Aufstiege, nun und nimmer aber Damen. Absicht des Triumphators war es, die Fürstin möglichst schnell zur Pyrgas-Hütte zu bringen, früher, als die Förster erscheinen konnten, auf daß der Jäger als der einzige anwesende Fachmann vielleicht den Auftrag erhalten würde, die Gebieterin auf einer Gamspirsch zu begleiten. Jagdleiter sein für den ersten Gang, danach lechzte der ehrgeizige Bursche.

Wie Eichkitz aber den sehr groß gewordenen Abstand, die weit zurückgebliebenen Damen gewahrte, gab er das Eiltempo sofort auf und blieb wartend auf dem Steige stehen. Nicht eben entzückt von der nach seiner Meinung miserablen Steigerei der bereits puterrot im Gesichte gewordenen Fürstin, die sich der Jacke entledigt hatte und nur mühsam kraxelte. Flink und sicher stieg Fräulein von Gussitsch. Wie ein Gamserl! dachte Eichkitz, dem die hübsche Hofdame arg in die Augen stach. Ein Hoffräulein! Eine feine Abwechslung wäre das! Aber so hoch darf man die Augen nicht heben! Soviel Vernunft besaß der Jäger denn doch...

Von nun an hielt Eichkitz den kurzen Abstand ein und stieg langsam, drehte sich oft um, gleichsam in Erwartung, von der Gebieterin befragt und sonstwie angesprochen zu werden.

Doch Fürstin Sophie hatte mit Atemnot zu kämpfen und nicht die geringste Lust, sich in ein Gespräch einzulassen.

Ein Blick auf die Taschenuhr überzeugte Eichkitz, daß bei diesem Schneckentempo alle Pirsch- und Jagdleitungshoffnungen aufgegeben werden müßten.

Und als auf der Plechauer Alp eine längere Rast befohlen wurde, konnte Eichkitz leicht ausrechnen, daß in spätestens einer Stunde die Förster im Eilmarsch ankommen werden. Groß staunte die Sennerin ob der Tatsache, daß der Jäger Eichkitz die hohe Ehre genoß, Führer sein zu dürfen. Das war wenigstens ein Wonnetropfen: der Jäger imponierte jetzt der Sennerin, dem Wildkatzl!

Geraume Zeit benötigte die ermüdete Fürstin zur Erholung. Und vom Aufstieg zur hoch und steil gelegenen Pyrgas-Hütte wollte sie im Sonnenbrande vorerst gar nichts wissen. Norbert erhielt Auftrag, einen Imbiß und kalten Tee zu reichen.

Nicht einen Bissen konnte indes Fürstin Sophie genießen. Nur vom kalten Tee schluckte sie fleißig.

Nonnosus befand sich in einer Beziehung in ähnlicher Lage wie die Fürstin: er konnte den dankend angenommenen Happen Schinken nicht essen. Hatte überhaupt kein Bedürfnis, nur das übermächtige, brennende Verlangen, an Wild zu kommen. So nahe dem Gamsreviere, den wuchtigen „Haller Mauern“, von Höhenluft umweht, deuchte ihm jede vertrödelte Viertelstunde ein schrecklicher Zeitverlust.