Also doch! Sicher ein Fehlschuß bei schwindendem Licht! dachte Hartlieb und wünschte von Herzen, daß die Kugel am Kapitalen vorbeifliegen möge.
Aber der tapfere Theologe bezwang sich und schob den Stutzen von sich.
Der Kapitalbock verschwand hinter einem Felsen. Und das Rudel empfahl sich und zog gelassen weiter.
Die Dämmerung wob dunkle Schleier um die Stätte eines harten Seelenkampfes.
Der letzte Schimmer auf der Pyrgas-Spitze erlosch, als sich die Herren erhoben.
Hartlieb reichte dem heldenhaften Theologen die Hand und sprach im Tone aufrichtiger Bewunderung: „Brav gemacht! Meinen vollsten Respekt! So kann nur der echte Weidmann handeln! Meine Hochachtung für Ihre erstaunliche Willenskraft!“
„Fast wäre ich doch im letzten Augenblick der überstarken Versuchung erlegen! Ich darf also Ihr Lob nicht annehmen! Doch lieber geschneidert heimgehen, als belastet sein mit einer Jagdsünde!“
„Morgen ist auch Jagdtag! St. Hubertus wird Sie schon belohnen und Diana gnädig sein!“
Geschäftig frohes Leben herrschte auf der Pyrgas-Hütte, als Hartlieb und Nonnosus ankamen. Das Diner wurde eben serviert. Norbert hatte es wichtig mit dem Bedienen der Damen, die vor dem Anbau auf einer Bank saßen und vergnügt über die primitive Art dieser Hofjagdtafel kicherten. Der ins Freie gebrachte Tisch wackelte bedrohlich, wenn die Damen Fleisch schneiden wollten, die Gläser wollten nicht stehenbleiben.
Flink kniete Eichkitz nieder, um Abhilfe zu schaffen, indem er den Tischfüßen an der abschüssigen Stelle zusammengebogene Briefe unterlegte.