„Zunächst freilich nicht, uns wenigstens nicht! Du wirst gut tun, deine Fürstin zum Abrücken von der Haller Frauenrevolution zu veranlassen! Tut die Fürstin nimmer mit, so schwindet der Nimbus, die damischen Weiber werden stutzig, wahrscheinlich durch den Rückzug der Fürstin doch etwas eingeschüchtert werden! Wenn die Flammen nach Weng überschlagen, werde ich als Wenger Pfarrer alles aufbieten, um den Männern das Rückgrat zu steifen! Und das wird gelingen, denn wo die Bauern zahlen sollen, werden sie sehr rasch bockbeinig und schwerhörig. Gehe hin und tue desgleichen, viellieber Bruder im Herrn!“
„Ganz gut! Und wie soll ich meine Fürstin zum Abrücken veranlassen?“
„Ja, das weiß ich nicht, ich bin ja kein Hofmann! Bring ihr bei, daß die Beteiligung an der Frauenrevolution Kosten verursacht, daß die Fürstin blechen, die Löhne ihrer verheirateten Diener und Beamten aufbessern muß, wenn die von ihren Frauen geschröpften Diener und Beamten die Weiberarbeit im Haushalt entlohnen sollen! Vom Gehalt können die Ehemänner das ja nicht leisten! Hört die Fürstin, daß die Liebäugelei mit der Frauenbewegung sie schwer Geld kostet, dann, meine ich unmaßgeblich, wird die Frau mit aller Beschleunigung krebsen!“
„Der Rat ist gut und beachtenswert! Ein gerissenes Herrchen, der vielliebe Amtsbruder!“
„Ach wo! Minimale Lebensweisheit, daß Geld überall eine gewichtige Rolle spielt! Von Gerissenheit keine Spur! Und tausend Meilen entfernt vom klugen und gewandten – Eisenbaron!“
Wilfrid lachte zu dieser harmlos gemeinten Stichelei auf seine adelige Abstammung. Und dann fragte er, ob Gäste im Stift angekommen seien, und was es sonst Neues intra muros monasterii gebe.
„Nicht viel, das Wenige aber schön und erquickend!“ Und nun berichtete Pater Leo über den Stand der Jagdangelegenheit des Novizen Nonnosus, der dem Abte Vergehen, Beteiligung an einer Treibjagd, der dem Kleriker verbotenen venatio clamorosa, rückhaltlos eingestanden und demütig um Bestrafung gebeten habe.
„Na, was hat der Summus Abbas verfügt?“ fragte in offensichtlicher Spannung Pater Wilfrid.
„Wie mir der Abt mitteilte, will er den Nonnosus der Heilsamkeit wegen einige Tage zappeln lassen, dann aber verzeihen und von jeder Bestrafung absehen. Wie der Abbas den ‚Fall Nonnosus‘ auffaßt, liege ein direkt straffälliges Vergehen gegen die kanonische Vorschrift nicht vor; verboten sei die venatio clamorosa, den Ausdruck ‚Riegeljagd‘ wende der betreffende Paragraph nicht an, also habe der Grundsatz zu gelten: ‚Strafgesetze sind streng zu interpretieren, Analogien sind nicht zulässig, in dubio pro reo!‘ Der Abbas erklärt, daß demnach die Erledigung der Sache in eigener Kompetenz zulässig, die Meldung an den Bischof nicht nötig sei! Die milde tolerante Behandlung werde eine viel bessere Wirkung bei Nonnosus erzielen denn eine harte Bestrafung! Und so glaubt der Abbas, daß der Novize im Laufe der Zeit seine Jagdleidenschaft überwinden werde! Wohlwollen und Liebe seien gute Heilmittel, sagte der Abbas, und mit feinem Lächeln fügte er bei: ‚studeat plus amari quam timeri‘!“